H2Nord: Wasserstoffinfrastruktur für Ostfriesland

H2Nord: Wasserstoffinfrastruktur für Ostfriesland

PROJEKTE

Bescheidübergabe in Hannover: (v.l.n.r.: Eugen Firus, Vertriebsleiter H2Nord, Energieminister Christian Meyer, Claas Mauritz Brons, Geschäftsführer H2Nord).Quelle: MU

Bescheidübergabe in Hannover: (v.l.n.r.: Eugen Firus, Vertriebsleiter H2Nord, Energieminister Christian Meyer, Claas Mauritz Brons, Geschäftsführer H2Nord). ©MU

H2Nord – Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur in Ostfriesland

Ende Januar 2023 gab Niedersachsens Energieminister Christian Meyer den Startschuss für den Aufbau einer grünen Wasserstoffinfrastruktur in Emden und Ostfriesland. Dafür übergab er einen Förderbescheid für eine Wasserstoffproduktionsanlage an die H2Nord GmbH & Co. KG. Mit 8 Mio. Euro soll der Bau einer 10 Megawatt Elektrolyseanlage inklusive Befüllstation für mobile Speicher-Container unterstützt werden. 

H2Nord plant in einem nächsten Schritt mehrere Tankstellen für grünen Wasserstoff zu errichten und sie mit selbst produziertem Wasserstoff aus der Region zu beliefern. „Wir müssen dringend den CO2-Ausstoß im Verkehr senken, um unsere Klimaziele zu erreichen. Wasserstoff ist eine der Lösungen im Schwerlastverkehr, die wir unbedingt für eine erfolgreiche Energiewende brauchen. Mit dem Aufbau einer Wasserstofflogistik steigern wir außerdem die Attraktivität der Region, auch für die Ansiedlung weiterer Industrie- und Gewerbebetriebe“, sagte Niedersachsens Energieminister Christian Meyer bei der Bescheidübergabe.

Entstehen soll ein grünes, regionales Wasserstoffökosystem auf Basis von lokal erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien. Ab 2024 soll grüner Wasserstoff an den Tankstellen zur Verfügung stehen. 

Das Energie-Zukunftsprojekt hat ein Gesamtvolumen von 19,5 Millionen Euro. Die 8 Millionen Euro des Landes stammen aus Mitteln der Wasserstoff-Richtlinie des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz. Insgesamt wurden rund 80 Millionen Euro im Rahmen der Richtlinie für Pilot- und Demonstrationsvorhaben im Wasserstoffsektor beantragt und bewilligt. 

 

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    CHESS – Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur in der Wesermarsch

    CHESS – Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur in der Wesermarsch

    PROJEKTE

    CHESS – Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur in der Wesermarsch

    Im Rahmen des Projektes CHESS (Compressed Hydrogen Energy Storage Solution) in Huntorf (Landkreis Wesermarsch) wollen EWE und Uniper gemeinsam ihre jeweilig vorhandene Gas- und Strominfrastruktur umrüsten. Ziel ist es, vor Ort eine neue Wasserstoffinfrastruktur schnell, effizient und kostensparend aufzubauen.

    Im Rahmen des gemeinsamen Vorhabens CHESS soll über das vorhandene Stromnetz regional produzierter Strom aus Wind und Sonne zur grünen Wasserstofferzeugung in einen 30-Megawatt-Elektrolyseur geleitet werden. Diesen bauen EWE und Uniper gemeinsam in einem geplanten Joint Venture. Beim Elektrolyse-Verfahren wird Wasser mit Hilfe von Strom in Wasserstoff aufgespalten. Nutzt man dafür grünen Strom, entsteht grüner Wasserstoff. Dieser Wasserstoff kann anschließend über das Gasnetz direkt zu den Verbrauchern transportiert werden.

    Wasserstofferzeugung und Wasserstoffspeicherung zusammengedacht

    Zusätzlich zur Erzeugung und zum Transsport des grünen Wasserstoffs soll im Rahmen von CHESS die Brücke zu einem weiteren EWE-Projekt realisiert werden: Die Anbindung der Wasserstoffinfrastruktur an einen unterirdischen Kavernenspeicher von EWE in Huntorf mit dem Ziel, grünen Wasserstoff zu speichern und ihn bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen.

    Dieses Speicherprojekt ist Teil eines verbindenden Großprojektes mit dem Namen „Clean Hydrogen Coastline“. Es bringt Erzeugung, Transport, Speicherung und Nutzung von grünem Wasserstoff in Industrie und Schwerlastverkehr zusammen. Mit diesem Großprojekt hatte sich EWE im Februar 2021 im Rahmen des europäischen IPCEI-Programmes (Important Project of Common European Interest) für eine Förderung beworben und im Mai 2021 die zweite Stufe des Verfahrens erreicht. Aktuell wird die Förderung auf europäischer Ebene geprüft.

    Die Anbindung des EWE-Uniper-Projektes CHESS an den Kavernenspeicher in Huntorf schafft einige Synergien:

    • Die Wasserstofferzeugung kann netzdienlich erfolgen, d.h. bei viel Wind oder Sonne und geringem Energiebedarf der Verbraucher kann Energie in sehr großen Mengen für Zeiten mit „Flauten“ gespeichert und später wieder genutzt werden. Saisonale Unterschiede der Wind- und Sonnenverhältnisse können somit abgefangen werden.
    • Wasserstoff bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen, verbessert die Versorgungsicherheit der Wasserstoffnutzer. Durch die großskalige Wasserstoffspeicherung wird dies möglich.
    • Der Kavernen-Standort in Huntorf bietet Potenzial für einen Ausbau der Wasserstofferzeugung. Je nach Ausbaugeschwindigkeit der regionalen Wasserstoffwirtschaft wäre es möglich, die Elektrolyseleistung schrittweise bis in den Gigawatt-Maßstab zu erweitern.

    So soll es weitergehen

    EWE und Uniper haben Anfang 2021 einen Kooperationsvertrag zur Umsetzung des Projektes CHESS unterzeichnet. Über einen gemeinsamen 30-Megawatt-Elektrolyseur sollen demnach die ersten Wasserstoffkunden ab Mitte 2026 versorgt werden. Wie schnell der darüber hinaus anschließende Ausbau der Wasserstofferzeugungskapazitäten umgesetzt werden kann, soll sich am Wasserstoffabsatz und -bedarf der Kundschaft orientieren.

    Mehr zum Projekt

    Uniper ist ein internationales Energieunternehmen mit rund 11.500 Mitarbeitenden in mehr als 40 Ländern. Das Unternehmen plant, in der europäischen Stromerzeugung bis 2035 CO2-neutral zu werden. Mit rund 33 Gigawatt installierter Kapazität gehört Uniper zu den größten Stromerzeugern weltweit.

    © Uniper

    ©TU Clausthal

    Mit rund 9.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die EWE AG eines der größten Versorgungsunternehmen Deutschlands, das sich im Bereich Wasserstoff auf entsprechende Infrastruktur fokussiert.

    © EWE

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      HyStarter: Wasserstoffregion Schaumburg

      HyStarter: Wasserstoffregion Schaumburg

      PROJEKTE

      ©MUQuelle: Horst Roch - Energieagentur Schaumburg

      Die Schaumburg – Namensgebend für das Schaumburger Land

      HyStarter: Wasserstoffregion Schaumburg

      Der Landkreis Schaumburg hat eine bewegte Geschichte hinter sich – insbesondere, was die Energieversorgung des einstigen Kohlereviers betrifft. So war die Region bereits im 20. Jahrhundert eine „Wasserstoffregion“ – im wörtlichen Sinne. Denn das „Stadtgas“, das in der Region bis in die 60er-Jahre verwendet wurde, bestand zu mehr als 55% aus Wasserstoff. Die Region will daher zurück zu ihren Wurzeln als Energieregion – nun allerdings in Form von klimafreundlichem Wasserstoff, der z.B. im Mobilitätssektor Einsatz finden soll. Hierzu werden im Landkreis verschiedene Wasserstoff-Projekte umgesetzt, wofür die Region als „HyStarter“-Wasserstoffregion vom Bundesverkehrsministerium gefördert wurde.

      Der Landkreis Schaumburg beherbergt eines der ältesten Kohlereviere Norddeutschlands – ehemalige Bergwerke und Halden prägen auch heute noch das Gesicht der Region. Im letzten Jahrhundert war Schaumburg demnach bereits eine wichtige Energieregion in Norddeutschland – die sich durch den Kohleabbau auswies. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in der Region eine Kokerei und damit verbunden ein sehr dichtes Gasnetz. Bei der Verkokung von Kohle fielen nämlich auch flüchtige Stoffe an – das sogenannte Kokereigas. Dieses Kokereigas bestand zu etwa 55% aus Wasserstoff und wurde in der Folge als „Stadtgas“ auch in Wohngebäuden eingesetzt. Erst Ende der 1960er-Jahre wurde auf den Betrieb mit Erdgas umgestellt. Aufgrund der gut ausgebauten Infrastruktur spielt Gas als Primärenergie auch heute noch eine große Rolle in der Region – im Zuge der Dekarbonisierung braucht es jedoch neue Lösungen. Um die gute Infrastruktur auch im Rahmen der Energiewende nutzen zu können, wurde daher der Wiedereinstieg in eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft als beste Möglichkeit ausgemacht.

      Förderung als „HyStarter“-Region

      Von dieser Idee war auch das Bundesverkehrsministerium überzeugt, welches den Landkreis Schaumburg im Jahr 2019 als „HyStarter“-Region förderte – als erste Region in ganz Niedersachsen. In der Folge wurde ein Wasserstoff-Konzept entwickelt, das die wichtigsten Vorhaben näher definiert. Im Fokus steht dabei nicht nur die Umstellung des Energiesystems und die Produktion von grünem Wasserstoff, sondern auch der Logistik- und Mobilitätssektor, der für die Region prägend ist. 

      Der Mobilitätssektor steht im Landkreis Schaumburg im Fokus!

      Fokus auf die Wasserstoffmobilität

      Auch wenn der Landkreis eher ländlich geprägt ist, gibt es in der Region eine sehr gute Verkehrsinfrastruktur. So existieren mit der A2 (Deutschlands meist befahrene Autobahn), der Weser und dem Mittellandkanal gleich drei zentrale Verkehrsstraßen. Zudem gibt es mehrere wichtige Bahnverbindungen, die durch den Landkreis Schaumburg führen, sodass der Mobilitätsbereich ein zentraler Sektor für Schaumburg ist. Dennoch wurde im Verkehrssektor noch ein hohes Entwicklungspotential ausgemacht – insbesondere mit Blick auf die nötige Dekarbonisierung.

      Aufgrund der Lage an der A2 gibt es gerade im Bereich der Logistik aktuell und in Zukunft Möglichkeiten, die Wasserstoffmobilität zu fördern. So soll zunächst die Versorgung von Wasserstoff-LKW durch sogenannte Wechselcontainer ermöglicht werden, die eine mobile Bereitstellung von Wasserstoff ermöglichen. Mittelfristig soll dann der Aufbau einer H2-Tankstelleninfrastruktur in der Region umgesetzt werden. Mit der Nutzung von Wechselcontainern kann das bekannte „Henne-Ei-Problem“ umgangen werden, da erste Wasserstoff-Bedarfe bereits gedeckt werden können, bevor erste Wasserstoff-Tankstellen errichtet werden. Martin Wilkening, Wasserstoffmanager von der Energieagentur Schaumburg betont in diesem Kontext: „Aktuell sehe ich für Schaumburg größtes Potenzial im Bereich der Wasserstoffmobilität. Hier wollen wir mit Nachdruck eine erste Wertschöpfungskette etablieren von der regionalen H2-Produktion bis hin zu den ersten Ankerkunden. Die Herausforderung besteht vor allem in der Entwicklung der Großprojekte zur Erzeugung erneuerbarer Energie, die auf Grund der hohen Bevölkerungsdichte und diverser Restriktionen keine Selbstläufer sind.“

      Produktion von grünem Wasserstoff – geringe Akzeptanz für Windkraft lässt andere Lösungen in den Vordergrund rücken

      Um als klimafreundliche Wasserstoffregion erfolgreich zu sein, braucht es entsprechende Erzeugungskapazitäten – für Wasserstoff, aber auch für den nötigen erneuerbaren Strom. Da es in der Region keine besonders große Akzeptanz für die Windenergie gibt, will man stattdessen verstärkt auf die Solarenergie setzen. Hierzu ist vorgesehen, das Dachflächenpotenzial für die PV zu erschließen, um den Großteil des eigenen Energiebedarfs zu decken. Darüber hinaus sollen PV-Freiflächenanlagen installiert werden, die dann für die regionale Wasserstoffproduktion genutzt werden können. 

      „Ziel für Schaumburg ist es, für das entstehende Tankstellennetz entlang der Hauptverkehrsachsen in Deutschland einen entscheidenden Beitrag zu leisten. Die erneuerbaren Energien sollen hierfür bis zum Jahr 2030 deutlich ausgebaut und so ein wichtiges Fundament für eine nachhaltige, regionale Wasserstoffproduktion gelegt werden.

      Auch im industriellen Sektor werden voraussichtlich bis dahin erste Ansätze für die Transformation energieintensiver Prozesse realisiert worden sein und die Nachfrage nach grünem Wasserstoff dementsprechend ansteigen. Daneben sollen auch innovative Projekte wie bspw. die stoffliche Verwertung organischer Abfälle einen wichtigen Beitrag für eine entstehende Wasserstoffwirtschaft leisten.“

      Martin Wilkening

      Wasserstoffmanager bei der Energieagentur Schaumburg

      Wasserstoff-Gewinnung aus Reststoffen

      Zudem sollen weitere regional verfügbare Quellen zur Wasserstoffproduktion genutzt werden. In diesem Kontext wird insbesondere die thermolytische Gewinnung von Wasserstoff aus Reststoffen untersucht. Hierzu werden biologische Abfälle und Klärschlamm, insbesondere aber auch nicht recyclebare Kunststoffe einer weiteren Nutzung zugeführt: In einer Reaktion bei etwa 850° C werden die Kohlenstoffketten der Reststoffe aufgespalten, wobei CO2 und Wasserstoff entsteht. Nach einer entsprechenden Reinigung und Aufbereitung können die Gase anschließend abgeschieden (CO2), bzw. weitergenutzt werden (H2). Hierdurch kann Wasserstoff mit geringer externer Energiezufuhr gewonnen und Stoffkreisläufe geschlossen werden. Darüber hinaus werden auch weitere Erzeugungsverfahren wie die Pyrolyse und Dampfgasreformierung (Biogas) in der Region untersucht.

      Hierdurch soll die Verfügbarkeit von Wasserstoff in der Region sukzessive steigen. In Zukunft will der Landkreis daher bei einer steigenden Wasserstoff-Verfügbarkeit auch verstärkt die vorhandene Gas-Infrastruktur der Region nutzen. So sollen erste Wasserstoffnetze entstehen, die Wohnquartiere und Industriestandorte versorgen. Ein Anschluss an die Wasserstoff-Fernnetzinfrastruktur könnte ab 2030 erfolgen.

      Im Landkreis wird sukzessive eine Wasserstoff-Infrastruktur aufgebaut .

      Rahmenbedingungen und Vernetzung schaffen

      Ein weiterer Fokus lag in den vergangenen Jahren darauf, Anlaufstellen für Interessierte zu schaffen und zentrale Player zu vernetzen. Hierzu wurde nicht nur die Energieagentur Schaumburg gegründet, sondern auch eine Leitstelle Wasserstoff eingerichtet.

      Martin Wilkening betont, dass die Förderung als HyStarter-Region auch in diesem Kontext zahlreiche Hilfestellungen geboten hat: „Besonders wertvoll für mich ist der Erfahrungsaustausch über die verschiedenen Netzwerke, insbesondere als HyStarter-Region über das HyLand-Netzwerk. Anregungen und Rückhalt für teils schwierige Herausforderungen sind elementar, um im komplexen Wasserstoff-Umfeld vorwärts zu kommen.“

       

      Martin Wilkening von der EA Schaumburg stellt die Aktivitäten der Region im folgenden Video näher vor: 

      Weitere Informationen und Kontakt:

      Energieagentur Schaumburg

      E-Mail: info@energieagentur-shg.de

      Telefon: 05721-96718-60

      Im Gespräch mit Tobias Moldenhauer von EWE

      Im Gespräch mit Tobias Moldenhauer von EWE

      Credit DBT Inga HaarQuelle: privat

      Tobias Moldenhauer, Leiter Wasserstoff im Geschäftsbereich Wasserstoff und Großspeicher bei der EWE AG in Oldenburg.

      „Was es jetzt braucht, ist ein Wasserstoff-Beschleunigungsgesetz“

      TES-H2 und EWE planen den Bau eines 500-MW-Elektrolyseurs am Wilhelmshavener Green Energy Hub. Damit machen die beiden Unternehmen einen weiteren wichtigen Schritt für die Energiewende.

      Der Elektrolyseur soll ab 2028 in Betrieb gehen. Die Kapazität soll zunächst 500 Megawatt betragen, und später mit einer weiteren geplanten Anlage auf eine Gesamtkapazität von 1 Gigawatt erweitert werden. Die Unterzeichnung einer Absichtserklärung beider Unternehmen steht im Rahmen der deutschen Energiestrategie, saubere Energie aus der Nordsee zu gewinnen und die Versorgung für die Wasserstofferzeugung zu erweitern. Weitere Infos zum Projekt finden Sie hier.

      Diese Zusammenarbeit hat Lis Blume vom NWN als Anlass genommen mit Tobias Moldenhauer, Leiter Wasserstoff im Geschäftsbereich Wasserstoff und Großspeicher der EWE AG zu sprechen.

       

      Tobias, gemeinsam mit TES-H2 baut EWE in Wilhelmshaven einen 500 MW-Elektrolyseur. In einem zweiten Schritt soll die Kapazität dann auf 1 GW ausgebaut werden. Kannst du kurz einordnen, welche Bedeutung dieses Projekt für die Energiewende in Niedersachsen und Deutschland hat? 

      Wir sind fest davon überzeugt, dass die Energiewende und die damit verbundene Abkehr von fossilen Energieträgern mit grünem Wasserstoff gelingen wird. Damit schaffen wir eine Möglichkeit, die erneuerbaren Energien speicherfähig zu machen. Grüner Wasserstoff wird damit ein wichtiger Bestandteil der Energiezukunft in der Region, in der die besten Voraussetzungen für das Zentrum einer grünen, europäischen Wasserstoffwirtschaft vorliegen: dem Nordwesten Deutschlands. Hier in der Region ist der Anteil an erneuerbaren Energien groß und es gibt zahlreiche Infrastruktur-Komponenten, wie Gasspeicher und eines der größten Gasverteilnetze Deutschlands. Alle Maßnahmen und Projekte bauen aufeinander auf und haben ein gemeinsames Ziel: den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft voranzutreiben. Das wollen wir gemeinsam mit Partnern wie TES angehen und vorantreiben. Dafür haben wir kürzlich eine gemeinsame Absichtserklärung besiegelt.

      Das ist nicht euer erstes Projekt in der Wasserstoff-Wirtschaft. Welche „Learnings“ aus den anderen Projekten könnt ihr hier einsetzen?

      Noch stehen wir am Anfang zahlreicher Wasserstoff-Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Erzeugung über Transport und Speicherung bis zur Anwendung in der Industrie und im Schwerlastverkehr. Wir kooperieren mit anderen Unternehmen und entwickeln gemeinsam Ideen und Projekte, um den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft voranzutreiben. Einen Demonstrator zur Wasserstofferzeugung haben wir bereits in Betrieb und eine Wasserstofftankstelle ebenfalls, weitere befinden sich gerade in der Umsetzung. Daraus nehmen wir natürlich auch Erkenntnisse mit in die Entwicklung großskaliger Projekte. Fakten schaffen wir außerdem bereits bei der Wasserstoff-Speicherung. Im brandenburgischen Rüdersdorf bauen wir gerade eine Testkaverne und erproben gemeinsam mit dem DLR die Ein- und Auslagerung des Wasserstoffs in einem unterirdischen Hohlraum und die Wasserstoffqualität nach der Entnahme aus der Kaverne. Einen wichtigen Meilenstein haben wir vor wenigen Wochen bereits erreicht: Die 1.000 Meter lange Zuleitung zur Kaverne ist nachweislich dicht.

      Bei anderen Wasserstoff-Projekten, wie Clean Hydrogen Coastline oder Hyways for Future hat EWE Förderanträge bei Land und Bund gestellt. Dieses Mal nicht. Warum?

      Um einen Förderantrag einreichen zu können, ist erst einmal eine konkrete Projekt-Vorplanung nötig. Mit der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding zwischen EWE und TES-H2, also einer gemeinsamen Absichtserklärung, steigen wir jetzt erst in diese Vorplanung ein. Wir werden daher nach aktuellem Stand auch in diesem Elektrolyseprojekt auf Fördergelder angewiesen sein.

      Die neue niedersächsische Landesregierung spricht von Deutschlandgeschwindigkeit und Energiewende-Turbo für solche Projekte. Ist der Turbo schon in der Praxis angekommen?

      Wir hoffen sehr, dass Genehmigungsprozesse sich bei Energiewende-Projekten verschlanken. Deutschland hat mit dem neuen LNG-Beschleunigungsgesetz gezeigt, dass dies möglich ist. Was es jetzt braucht, sind entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen für eine zügige Umsetzung aller Energiewende-Projekte, wie beispielsweise durch ein Wasserstoff-Beschleunigungsgesetz.

      Den grünen Strom für die Elektrolyse wollt ihr aus den Windparks in der Nordsee beziehen. Wird Offshore Wind bis 2028 so weit ausgebaut sein, dass ausreichend Energie für die Elektrolyse zur Verfügung steht?

      Der Ausbau der Erneuerbaren – egal ob Onshore- oder Offshore Windenergie – geht natürlich Hand in Hand mit dem Ausbau der Wasserstoffwirtschaft. Wir gehen daher davon aus, dass zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme unseres geplanten Elektrolyseurs in Wilhelmshaven im Jahr 2028 der Windenergieausbau entsprechend vorangeschritten ist, so dass wir keinen Engpass bei der Beschaffung des Grünstroms für die Wasserstofferzeugung befürchten. Dazu sind wir selbstverständlich in enger Abstimmung mit den Netzbetreibern.

      Vielen Dank.

       

       

      TransHyDE

      TransHyDE

      PROJEKTE

      TransHyDE – Aufbau einer Wasserstoff-Transport-Infrastruktur

      Um den deutschen Bedarf an grünem Wasserstoff zu decken und die Energiewende umzusetzen, braucht es große Mengen Wasserstoff – von denen ein nicht unerheblicher Teil importiert werden muss. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Wasserstoff-Leitprojekt TransHyDE will daher Transport-Möglichkeiten technologieoffen weiterentwickeln und zudem entsprechende Normen schaffen, um hierdurch den Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur zu ermöglichen und den Markthochlauf zu unterstützen.

      Auf unserer Seite werden zahlreiche Projekte vorgestellt, in denen der Transport von Wasserstoff im Fokus steht. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Herangehensweisen, sei es der Transport in Hochdruckbehältern, in bestehenden Gasleitungen oder mittels grünen Ammoniaks oder flüssigen organischen Trägerstoffen (liquid organic hydrogen carriers [LOHC]). Diese technologische Vielfalt soll im Rahmen des Wasserstoff-Leitprojekts TransHyDE weiter untersucht werden – denn in den genannten Handlungsfeldern gibt es weiterhin großen Forschungsbedarf. So gibt es derzeit insbesondere im Bereich der Normierung, also z.B. bei Standards oder Sicherheitsvorschriften keine einheitlichen Regelungen – was den Markthochlauf aktuell noch behindert. Damit die genannten Transporttechnologien schnell ins Energiesystem integriert werden können, braucht es demnach neue Standards, Normen und Zertifizierungen, denen sich ein eigenes Arbeitspaket im Rahmen von TransHyDE widmet. 

      TransHyDE wird in verschiedenen Teilprojekten umgesetzt, in denen die unterschiedlichen Transportmöglichkeiten in der Praxis, aber auch aus Sicht der Forschung genauer in den Blick genommen werden.

      Quelle: Projektträger Jülich im Auftrag des BMBF

      Die Umsetzung erfolgt in Teilprojekten (für weitere Informationen bitte ausklappen):

      „Mukran"

      Am Mukran Port auf Rügen wird ein innovativer Hochdruck-Kugelspeicher für Wasserstoff entwickelt. Dieser soll dazu in der Lage sein, auf hoher See in der unmittelbaren Umgebung von Offshore-Wind- und Elektrolyseanlagen vom Projekt H2Mare eingesetzt zu werden. Dort wird mittels Windenergie grüner Wasserstoff erzeugt, der im Kugelspeicher zwischenzeitlich gespeichert werden soll.

      „GET H2“

      Damit Wasserstoff flächendeckend zur Verfügung steht, soll im Projekt GET H2 die Nutzung von ehemaligen Erdgasleitungen für den Transport von Wasserstoff erforscht werden. Aktuell fehlen zudem Normen und Überwachungsstandards bei der Umstellung von Erdgasleitungen, weshalb in GET H2 ein Testumfeld aufgebaut wird, in dem Material- und Sicherheitsfragen beantwortet werden können.

      „Campfire“

      Das Projekt Campfire soll das Potential von Ammoniak für den Wasserstoff-Transport untersuchen und dabei insbesondere die Rückgewinnung von Wasserstoff aus Ammoniak in den Blick nehmen. Ziel ist hierbei insbesondere, die Effizienz bei der Wiederauslösung des Wasserstoffs zu verbessern.

      „Helgoland“

      Im Projekt Helgoland wird eine Wasserstoff-Logistikkette über Land und über See aufgebaut. Via Pipeline soll der grüne Wasserstoff von der Offshore-Anlage des Leitprojekts H2Mare auf die Insel Helgoland gebracht werden und dort für einen weiteren Transport mit LOHC gebunden werden. Anschließend kann der gebundene Wasserstoff mit bestehender Infrastruktur ähnlich wie Öl verschifft werden und im Hamburger Hafen in einer Dehydrieranlage wiederum vom LOHC gelöst und nutzbar gemacht werden.

      „Forschungsverbünde"

      Insgesamt fünf Verbünde von Forschungseinrichtungen unterstützen die Projekte mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dabei geht es z.B. um Material- und Komponentenforschung, Betriebssimulationen oder auch sicherheitsrelevante und ökologische Fragen. Der Wissensstand und aktuelle Handlungsempfehlungen werden in einer Roadmap festgehalten und allen Projektpartnern zur Verfügung gestellt.

      Weitere Informationen

      Aus Niedersachsen nehmen drei Unternehmen an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt teil. Hierzu zählt die ROSEN GmbH, die Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH sowie die Inherent Solutions Consult GmbH & Co. KG

      Mehr zu dem Projekt finden Sie hier.

      H2Mare

      H2Mare

      PROJEKTE

      H2Mare – Grüner Wasserstoff vom Meer

      Für den erfolgreichen Markthochlauf von grünem Wasserstoff, muss dieser kostengünstig erzeugt werden. Offshore-Windenergie kann in diesem Kontext ein gutes Instrument bieten, um günstigen grünen Wasserstoff herzustellen – insbesondere dann, wenn der Wasserstoff direkt vor Ort ohne kostenintensive Infrastruktur produziert werden kann. Genau dies wird aktuell im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Wasserstoff Leitprojekt „H2Mare“ untersucht.

      Offshore-Windenergieanlagen bieten ein großes Potenzial für die kostengünstige Erzeugung von erneuerbaren Energien – und damit auch für die Produktion von günstigem grünem Wasserstoff. Im Vergleich zu Windanlagen an Land bieten Offshore-Windräder eine höhere durchschnittliche Nennleistung und erzeugen Strom vergleichsweise kontinuierlich. Diese Vorteile sollen im Rahmen des Projekts H2Mare dazu genutzt werden, direkt vor Ort auf See kostengünstigen grünen Wasserstoff herzustellen. Aufgrund der lokalen Erzeugung mittels Windstrom können die Infrastrukturkosten – und damit auch die Kosten für den grünen Wasserstoff insgesamt – deutlich gesenkt werden.

      Geplant ist neben der Erzeugung von grünem Wasserstoff auf See, auch die Produktion von Folgeprodukten wie grünem Methanol oder grünem Ammoniak, die flexibel eingesetzt und transportiert werden können. Hierzu wollen die Projektpartner den Einsatz von Technologien testen, welche die Kohlendioxid- und Stickstoffgewinnung auf See ermöglichen – eine Voraussetzung für die Herstellung von grünem Methanol und grünem Ammoniak.

      Zudem sollen zukunftsfähige Ansätze wie die Meerwasser- oder Wasserdampf-Elektrolyse getestet und weiter vorangetrieben werden, da hierdurch die Entsalzung des Meerwassers – und damit ein weiterer Produktionsschritt – entfallen könnte. Aufgrund der Arbeit in einem sensiblen Ökosystem steht auch die Sicherheit und die Frage nach möglichen Umweltauswirkungen im Zentrum der Forschungsarbeiten.

      Quelle: Projektträger Jülich im Auftrag des BMBF.

      Die Umsetzung erfolgt dabei in vier Teilprojekten:

      „OffgridWind“

      Im Projekt „OffgridWind“ sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um einen Elektrolyseur in einer neuen Windanlage zu integrieren. Hierfür ist nicht nur ein anderes Fundament nötig als bei „herkömmlichen“ Offshore-Anlagen, sondern auch eine neue Windturbinenbauart.

      „H2Wind“

      Im H2Mare-Projekt „H2Wind“ wird der Elektrolyseur untersucht, der in den Anlagen zum Einsatz kommen soll. Ziel ist es, dass der eingesetzte Wasser-Elektrolyseur letztlich sehr effizient und nahezu autark arbeiten kann.

      „PtX-Wind“

      Im dritten Teil-Projekt „PtX-Wind“ steht die Power-to-X-Technologie im Mittelpunkt und dabei insbesondere die Produktion von grünem Methanol und grünem Ammoniak. Hierzu sollen CO2 und Stickstoff vor Ort aus der Luft gewonnen werden, die für die Produktion von Methanol und Ammoniak nötig sind. Im Rahmen des PtX-Wind-Projekts wird zudem die Meerwasserelektrolyse untersucht: Hierdurch soll das aus dem Meer gewonnene Wasser direkt bei der Elektrolyse genutzt werden können – sodass eine Entsalzung nicht mehr nötig wäre.

      „TransferWind“

      Im letzten H2Mare-Projekt „TransferWind“ geht es um übergeordnete Fragestellungen wie Sicherheits- und Umweltfragen oder Infrastrukturanforderungen auf See. Zudem sollen in diesem Teil-Projekt die Ergebnisse aus den anderen Projekten zusammengeführt werden und ein Austausch zwischen den vielfältigen Projektpartnern stattfinden.

      Weitere Informationen

      Aus Niedersachsen nehmen zwei Forschungseinrichtungen an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt teil. Hierzu zählt neben der Leibniz Universität Hannover auch die Stiftung Offshore-Windenergie aus Varel.

      Mehr zum Projekt finden Sie hier.