Wilhelmshaven Green Energy Hub

Wilhelmshaven Green Energy Hub

PROJEKTE

Wilhelmshaven Green Energy Hub

Der Import von grünem Wasserstoff über Wasserstoff-Terminals stellt eine entscheidende Voraussetzung für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland dar. Die niedersächsische Küste mit ihrem Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven bietet hierfür ideale Gegebenheiten. Die Tree Energy Solution (TES) hat sich daher dazu entschieden, ein Wasserstoff-Terminal in Wilhelmshaven zu errichten, das den Import von grünem Wasserstoff im Großmaßstab ermöglicht. Das geplante Terminal umfasst dabei sechs Schiffsliegeplätze und insgesamt zehn Tanks mit einer Speicherkapazität von 2.000.000 Kubikmeter. Laut Planungen können in Zukunft über das Terminal bis zu 250 TWh grüne Gase pro Jahr importiert und daraus mehr als 5 Millionen Tonnen Wasserstoff erzeugt werden – was einem Zehntel des gesamten jährlichen Primärenergiebedarfs in Deutschland entspricht.

Zur Deckung des Wasserstoffbedarfs wird Deutschland in Zukunft aus verschiedenen Ländern grünen Wasserstoff importieren müssen. Hierfür ist die entsprechende Infrastruktur nötig, welche die Anlandung, die Einspeicherung und den Transport in das Wasserstoffleitungsnetz ermöglicht. Genau dies ist im Projekt Wilhelmshaven Green Energy Hub vorgesehen, das von Tree Energy Solution (TES) umgesetzt wird.  In Wilhelmshaven sollen hierzu sechs Schiffsliegeplätze errichtet werden, die „Suezmax-kompatibel“ sind – sodass auch große Schiffe in Wilhelmshaven anlanden können („Suezmax“ beschreibt eine Schiffsgröße, die für die Durchfahrt durch den Suezkanal in beladenem Zustand zulässig ist).

TES will den grünen Wasserstoff dabei auch selbst herstellen – in Ländern mit einem sehr hohen Angebot an Wasser-, Wind oder Solarkraft. Die Erneuerbaren werden in den Erzeugerländern zur Elektrolyse genutzt, um zunächst grünen Wasserstoff herzustellen. Nach der Elektrolyse wird dem Wasserstoff Kohlenstoffdioxid hinzugefügt, um grünes CH4 (Methan) herzustellen, welches anschließend per Schiffsflotte nach Wilhelmshaven transportiert werden kann. Hier wird das CH4 wieder in Wasserstoff umgewandelt, das entstehende CO2 abgeschieden und in einem Kreislaufsystem wieder in die Erzeugerländer zur weiteren Verwendung zurückgeführt.  

Wilhelmshaven Green Energy Hub im Modell © Tree Energy Solution

Ab 2026 ist der Betriebsbeginn des Terminals geplant und damit der erste Import grüner Moleküle. In dieser Anfangsphase werden voraussichtlich 25 TWh grünes Methan pro Jahr importiert – hieraus kann mehr als eine halbe Million Tonnen Wasserstoff erzeugt werden. Während der Hochlaufphase ab dem Jahr 2030 wird die Leistung sukzessive gesteigert, sodass schließlich bis zu 250 TWh pro Jahr – und damit mehr als 5 Millionen Tonnen Wasserstoff – importiert bzw. erzeugt werden kann.  

Das Projekt will dabei die guten Standortbedingungen in Wilhelmshaven nutzen und auf die Speicher- und Transportinfrastruktur zurückgreifen, die aktuell in Niedersachsen aufgebaut wird. So soll eine Anknüpfung an die unterirdischen Salzkavernen-Speicher in Etzel hergestellt werden und die im Rahmen des Projekts H2ercules errichteten und umgewidmeten Leitungen genutzt werden, die den Transport in den Westen und Süden Deutschlands zu den industriellen Abnehmern ermöglichen. Durch die hohen Importvolumen von bis zu 250 TWh soll das Projekt zur Versorgungssicherheit in Deutschland und der EU beitragen.

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Über TES

Tree Energy Solutions (TES) ist ein Unternehmen für grünen Wasserstoff, das Industrie und Verbraucher mit CO2-neutraler Energie versorgt – in Form von grünem Wasserstoff, grünem Gas und grünem Strom. Um ein Netz mit globaler Reichweite aufzubauen, entwickelt TES derzeit in Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten Standorte für den Import und die Verteilung von Energie.

Logo: © Tree Energy Solution

H2ercules

H2ercules

PROJEKTE

Hydrogen economy

Das geplante Wasserstoffleitungsnetz. ©H2ercules, OGE sowie RWE

H2ercules

Für den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft und die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende spielt die Infrastruktur eine maßgebliche Rolle. Im Bereich des Wasserstoffs gilt es daher, ein Wasserstoff-Leitungsnetz aufzubauen, das Orte der Wasserstoff-Herstellung im Norden Deutschlands mit den Industriezentren verknüpft. Um diesen bedeutsamen Prozess zu beschleunigen, haben OGE und RWE das Infrastrukturprojekt „H2ercules“ entwickelt, das Verbraucher im Süden und Westen mit der heimischen Wasserstoffproduktion im Norden verbinden soll. Hierfür sind nicht nur 1.500 Kilometer Leitung, sondern auch bis zu 1 Gigawatt Elektrolyse-Kapazität geplant. 

Für den Aufbau des künftigen Wasserstoffnetzes kann ein Großteil des deutschen Erdgasnetzes genutzt werden, da dieses bereits gut ausgebaut ist. Die Umstellung dieser Erdgasleitungen auf Wasserstoff stellt nicht nur die kosteneffizienteste Lösung dar, sondern ermöglicht auch ein schnelles Vorgehen. Allerdings soll das bisherige Gasnetz durch Neubauten ergänzt werden, da es laut der Projektpartner einer strukturellen Neuausrichtung der Gas-Infrastruktur bedarf. Statt von Ost nach West und Süd, muss das Gas, bzw. der Wasserstoff künftig von den Erzeugungsstandorten in Niedersachsen zu den Verbrauchszentren im Westen und Süden fließen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen daher Lücken geschlossen und neue Quellen an das bestehende Leitungsnetz angebunden werden.

Das Projekt wird dabei in zwei Schritten umgesetzt: 2028 soll das Netz von West nach Nord – also vom Ruhrgebiet nach Wilhelmshaven – fertiggestellt werden, bevor 2030 das Netz in den Süden finalisiert wird. Durch diese zeitnahe Umsetzung wollen die Projektpartner die Wasserstoffversorgung der Industrie möglichst zeitnah sicherstellen. Hierdurch soll das bekannte Henne-Ei-Problem durchbrochen werden, da der Industrie der Umstieg auf Wasserstoff durch vorhandene Infrastruktur deutlich erleichtert wird. Die Aufgabenteilung zwischen den Projektpartnern ist dabei klar geregelt: OGE wird die benötigten Leitungen neu errichten, bzw. auf Wasserstoff umstellen und RWE wird eine Elektrolyse-Kapazität von bis zu 1 Gigawatt aufbauen und zudem grünen Wasserstoff importieren.

Das geplante Leitungsnetz. © H2ercules

Neben der Elektrolyse-Kapazität und dem Auf- und Umbau der Pipelines sollen im Rahmen des Projekts „H2ercules“ auch Gaskraftwerke mit mindestens 2 Gigawatt und entsprechende Speicher auf Wasserstoff umgerüstet werden. Bestehende Gaskraftwerke und Gasspeicher an der niederländischen Grenze sollen hierzu umgestellt bzw. an das künftige Wasserstoff-Leitungssystem angeschlossen werden. Hierdurch können weitere Backup-Kapazitäten geschaffen werden, die die künftige Energieversorgung sichern.

Das Projekt soll auch zum Aufbau des europäischen Wasserstoffmarktes beitragen. Denn im Rahmen von H2ercules wird Deutschland an wesentliche Importrouten angeschlossen, sei es über Pipelines aus Belgien und den Niederlanden oder auch aus Norwegen.

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Projektpartner

Die Open Grid Europe GmbH (OGE) ist ein europäischer Fernleitungsnetzbetreiber mit einem Leitungsnetz von ca. 12.000 km.

Logo: © Open Grid Europe GmbH 

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RWE beschäftigt weltweit rund 19.000 Mitarbeitende und hat das Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden. Hierzu beitragen sollen auch verschiedene Tätigkeiten im Wasserstoff-Sektor. 

Logo: © RWE

Interview: Ohne Fachkräfte keine Energiewende

Interview: Ohne Fachkräfte keine Energiewende

Im Gespräch mit Dr. Ruggero Capperucci

Lis Blume (NWN) und Dr. Ruggero Capperucci (Universität Oldenburg) beim Interview in Oldenburg. ©NWN

Ohne Fachkräfte schaffen wir keine Energiewende

Für den erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bedarf es einer umfassenden Aus- und Weiterbildung in vielen Sektoren. Denn mit der Umstellung auf Wasserstoff-Technologien gehen zahlreiche Veränderungen in Produktionsprozessen, in der Energie- oder auch der Fahrzeugnutzung einher. Das NWN fasst daher ab sofort aktuelle Qualifizierungsangebote zusammen und gibt einen Überblick über die wichtigsten Angebote in Niedersachsen.

Lis Blume, verantwortlich für die Kommunikation des NWN, hat sich deshalb mit Dr. Ruggero Capperucci unterhalten, Ansprechpartner für die Fortbildung „Wasserstoff für Fach- und Führungskräfte“ der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Leibniz Universität Hannover und Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES.

 „Bis 2030 brauchen wir 70.000 Wasserstoffspezialisten in Deutschland.“

 

 

Herr Capperucci, sind unsere Fachkräfte auf die Energiewende gut vorbereitet?

RC: Liebe Frau Blume, ich muss Ihnen leider eine klare Antwort geben: Nein. In Deutschland herrscht derzeit ein gravierender Mangel an Wasserstoffspezialisten. Eine Schätzung des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes (DWV) geht davon aus, dass bis zum Jahr 2030 70.000 neue Fachkräfte für den Wasserstoffkreislauf ausgebildet werden müssen – und das, bevor die letzten internationalen Ereignisse der Energieunabhängigkeit und der grünen Wende auf nationaler und EU-Ebene einen entscheidenden Impuls verliehen haben.

 

Wasserstoff als wichtiger Baustein in der Energieversorgung war in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder ein Thema, angefangen in den Achtzigern. Das Thema an sich ist nicht neu – warum fehlt trotzdem die Expertise beim Umgang mit dem Gas?

RC: Grüner Wasserstoff wird in den nächsten zehn Jahren in verschiedenen Sektoren sein Marktpotenzial entfalten. Die Technologie zur Nutzung von Wasserstoff für Energiezwecke ist seit Jahrzehnten gut bekannt. Dennoch erfordert ihre großflächige Anwendung ein Umdenken und eine Anpassung des gesamten Wirtschafts- und Industriesystems auf verschiedenen Ebenen. Die Energiewende mit Wasserstoff als zentraler „Brücke“ für die Kopplung verschiedener Sektoren bringt eine Vielzahl von technologischen, aber auch juristischen, ökonomischen, betrieblichen Herausforderungen mit sich. Nicht zuletzt sind auch Politik und Verwaltung gefordert, den Umbau in die Wege zu leiten und zu diesem zu begleiten.

 

Abwärmerohre_zuschnitt_fotolia_©Aleksey-Stemmer

©Aleksey-Stemmer

 

„Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft werden kompetente Fach- und  Führungskräfte in allen Bereichen entlang der Wertschöpfungsketten, sowie in Politik     und Verwaltung benötigt.“

 

 

Wir sprechen immer über die Facharbeiter und Verantwortliche in den Unternehmen. Sie bringen jetzt auch noch die Verwaltung ins Spiel – welche Rolle spielt sie beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft?

RC: Es gibt zurzeit einen starken politischen Willen für den Umbau der Industrie und zahlreiche Investitionen in Modellprojekte. Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft werden kompetente Fach- und Führungskräfte in allen Bereichen entlang der Wertschöpfungsketten, sowie in Politik und Verwaltung benötigt. Hinzu kommt, dass Projekte der Wasserstoffwirtschaft komplex, interdisziplinär und innovativ sind. Ein dezidiertes Weiterbildungsprogramm kann die Lernkurve verkürzen und die Kosten von Fehlern reduzieren.

Können Sie das konkretisieren?

RC: Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen: Für den Einsatz von Wasserstofffahrzeugen in der Fahrzeugflotte muss auch eine eigene Logistik bereitgestellt werden die Entscheidung für ein System legt ein Unternehmen auf Jahre hin fest und zieht zahlreiche Folgeentscheidungen nach sich. Mitarbeiter von Banken oder Versicherungen müssen in der Lage sein, die technischen Dimensionen eines Wasserstoffprojektes einzuschätzen, um dessen Machbarkeit und Finanzierbarkeit zu beurteilen. Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen müssen Anträge für neue wasserstoffbezogene Anlagen und Einrichtungen prüfen und die  Wirtschaftsförderungen müssen erkennen, welche Chancen und auch Herausforderungen die Wasserstoffwirtschaft für ihre Region bietet. All diese Personen benötigen eine kontinuierliche, umfassende und aktuelle Fort- und Weiterbildung.

Olaf Lies, Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz in Niedersachsen (Mitte), setzt sich für den schnellen Aufbau der Wasserstoffwirtschaft ein. Dafür hat er u.a. eine Förderrichtlinie auf den Weg gebracht, mit der Firmen wie aha in Hannover unterstützt werden bei der Umstellung auf nachhaltige Energien.  ©NWN

Welche Qualifikationen brauchen Fachkräfte im Umgang mit erneuerbaren Energien, aber vor allem mit Wasserstoff?

RC: Dies hängt von der Branche ab, in der sie tätig sind: Doch allgemein gilt, zusätzlich zu der schon vorhandenen Qualifikation benötigt jede Fachkraft, die sich mit erneuerbaren Energien und vor allem mit Wasserstoff befassen will das nötige Fachwissen. Darüber hinaus sollte sie in der Lage sein, Projekte der erneuerbaren Energien und auch der  Wasserstoffwirtschaft aus verschiedenen Perspektiven in den Blick zu nehmen, diese möglichst zu verstehen und mit verschiedenen Akteuren/Gewerken dieser Bereiche zu kommunizieren. 

 

Welche Fachkräfte nehmen denn beispielsweise an der Weiterbildung der Universität Oldenburg teil?

RC: Unter unseren TeilnehmerInnen befinden sich Fachleute mit den unterschiedlichsten Hintergründen: IngenieurInnen, die sich spezifisches Know-how über Wasserstofftechnologien aneignen wollen, BankmitarbeiterInnen, die sich mit spezifischen wirtschaftlichen Fragen zu Zeitplänen und Preistreibern für Wasserstoff befassen wollen, und so weiter. Wichtig ist jedoch, dass diese Fachleute aufgefordert werden, gemeinsam ein virtuelles Wasserstoffprojekt zu entwickeln, das all diese Aspekte umfasst, so dass jeder nicht nur seine eigene Disziplin einbringen kann, sondern auch lernt, mit den Augen des anderen zu sehen und sich ein vollständiges Bild des gesamten Projektprozesses zu machen.

 

Die Weiterbildung wird in einer Kombination aus Präsenz- und Onlineterminen, sowie Exkursionen angeboten. ©AdobeStock

„Führungskräfte müssen das  „Ökosystem“ der Wasserstoffwirtschaft verstehen.“

 

Jetzt haben wir über Fachkräfte gesprochen. In welchen Bereichen müssen sich Führungskräfte fortbilden, um am Ball zu bleiben?

RC: Führungskräfte müssen entscheiden, ob und wie die Wasserstoffwirtschaft für ihr Unternehmen oder ihren Bereich von Bedeutung sind und ggf. ein Geschäftsfeld aufbauen. Durch den dezentralen Charakter der erneuerbaren Energien bieten sich für viele Unternehmen Möglichkeiten, deren Führungskräfte das „Ökosystem“ der Wasserstoffwirtschaft verstehen müssen. Hierfür braucht es neben einem grundlegenden technischen Verständnis auch das Wissen um die Komponenten, die Dimensionen, die Akteure und die politischen Dimensionen von Wasserstoffprojekten, wie auch der Wasserstoffwirtschaft. Außerdem müssen sie mögliche Geschäftsmodelle einschätzen können und wissen, welche Kompetenzen und Personen sie für ein Wasserstoffprojekt benötigen.

Ihre Einschätzung: Werden wir ganz neue Ausbildungsberufe sehen, oder muss das Thema Wasserstoff in bestehende Ausbildungen integriert werden?

RC: Kurzfristig muss der dringende Bedarf an Fachkräften mit eigenen neuen Kursen und Programmen, wie dem unseren, gedeckt werden. Wir zielen darauf ab, in sechs Monaten mit einer hochwertigen akademischen Weiterbildung, die einen starker Praxisorientierung hat, das nötige Fach- und Überblickswissen wie auch die verschieden Perspektiven und eine eigenständige Orientierungsfähigkeit in der Wasserstoffwirtschaft zu vermitteln. Mittelfristig wird das Thema Wasserstoff m.E. mehr und mehr in den normalen Ausbildungskanon eingehen. Doch auch in dieser Phase sehe ich für unser Programm der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften der Wasserstoffwirtschaft gut Perspektiven.

Wasserstoff für Fach- und Führungskräfte

Das Weiterbildungsprogramm der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Leibniz Universität Hannover und dem Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES baut auf bestehenden berufsqualifizierenden Abschlüssen und Erfahrungen der Teilnehmenden auf und versetzt sie in die Lage, Wasserstoffprojekte beurteilen, initiieren und steuern zu können. Bei der Weiterbildung wird ein Wasserstoffvorhaben realitätsnah geplant und kalkuliert.

Qualifizierungsangebote im Wasserstoffsektor

Für den erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bedarf es einer umfassenden Aus- und Weiterbildung in vielen Sektoren. Das NWN fasst hier die aktuellen Angebote zusammen und gibt einen Überblick der relevanten Qualifizierungen in Niedersachsen.

 

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Niedersachsen stellt Weichen für Finanzierung von Wasserstoff-Großprojekten

Niedersachsen stellt Weichen für Finanzierung von Wasserstoff-Großprojekten

Pressemitteilung

Niedersachsen stellt Weichen für die Finanzierung von Wasserstoff-Großprojekten 

Das Kabinett hat am Dienstag, den 30. August 2022, die Finanzierung für Erzeugung und Import von Wasserstoff auf den Weg gebracht und damit die Weichen für die künftige Energieversorgung gestellt. Im Zuge des europäischen IPCEI-Programms für Wasserstofftechnologien und -systeme soll in Niedersachsen eine nachhaltige grüne Wasserstoffwirtschaft aufgebaut werden.

Die Bundesregierung fördert mit einer Ko-Finanzierung der Bundesländer große, grenzüberschreitende Vorhaben im Bereich Wasserstofftechnologien und -systeme unter anderem über IPCEI „Important Projects of Common European Interest“ („Wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse“) und nach der Beihilfeleitlinie für Klima, Umwelt und Energie (KUEBLL).

Anfang 2021 konnten Unternehmen in einem Interessenbekundungsverfahren Projektskizzen für Investitionsvorhaben einreichen. Mittlerweile wurden auf EU-Ebene über 400 Projekte aus 18 Staaten registriert und werden von der EU-Kommission in verschiedenen „Wellen“ notifiziert, das heißt beihilferechtlich geprüft und genehmigt.

Am 28. Mai 2021 wurden vom Bund in Absprache mit den Ländern 62 deutsche Großvorhaben ausgewählt. Die Vorhaben sollen mit über acht Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln gefördert werden.

Niedersachsen profitiert weit überdurchschnittlich von dem Förderprogramm. Die Lage an der Küste mit den Seehäfen, ein gut ausgebautes Gasnetz, große Kavernenspeicher und die enormen Potenziale an erneuerbaren Energien prädestinieren Niedersachsen als Erzeugungszentrum, Import-Hub und Drehscheibe der deutschen und europäischen Wasserstoffwirtschaft.

Sofern auf den heutigen Kabinettsbeschluss ein entsprechender Landtagsbeschluss im September-Plenum folgt, würden über 2,3 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln für niedersächsische Investitionen in Wasserstoffprojekte mobilisiert: Der Bund bietet über 1,6 Milliarden Euro an, wenn sich das Land mit weiteren rund 700 Millionen Euro beteiligt.

Zur Finanzierung sieht der heute durch das Kabinett auf den Weg gebrachte Gesetzesentwurf eine weitere Aufstockung des Wirtschaftsförderfonds vor. Bereits am 29. Juni 2022 hatte der niedersächsische Landtag beschlossen, dem Wirtschaftsförderfonds 459,5 Millionen Euro, die aufgrund des günstigen Verlaufs des Haushaltsjahres 2021 zur Verfügung standen, für diesen Zweck zuzuführen. Nun sollen dem Wirtschaftsförderfonds in den Jahren 2024 bis 2026 weitere Mittel in Höhe von insgesamt 240 Millionen Euro für Wasserstoffprojekte zufließen. Der heute beschlossene Gesetzentwurf soll – wenn möglich – noch im September-Plenum verabschiedet werden.

„Mit einem Landesanteil von 700 Millionen Euro schaffen wir die Voraussetzungen zur Kofinanzierung von zwölf großen, grenzüberschreitenden Vorhaben im Bereich Wasserstofftechnologien und -systeme. Insgesamt geht es um Investitionen in Milliardenhöhe, einschließlich Bundesmitteln in Höhe von über 1,6 Milliarden Euro für niedersächsische Industrieunternehmen“, sagt Ministerpräsident Stephan Weil. „Grüner Wasserstoff wird eine wesentliche Säule unserer zukünftigen Energieversorgung sein. Niedersachsen ist in dieser Hinsicht führend. Das ist auch ein Beitrag dazu, Energieland Nr.1 zu werden.“

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sagt: „Zusätzlich zur Sicherung vorhandener Arbeitsplätze durch die Dekarbonisierung der CO2-intensiven Industrien von heute stellen diese Projekte eine sehr große Chance für die industrielle Weiterentwicklung Niedersachsens dar. Erneuerbare, günstige und sicher verfügbare Energie ist ein entscheidender Standortvorteil für neue Industrieansiedlungen in Niedersachsen.“

„Mit einer starken Wasserstoffwirtschaft tragen wir Niedersachsen unseren Teil zur Energiesicherheit und für die Unabhängigkeit Deutschlands bei. Sie ist ein wichtiger Teil des Fundaments für das Gelingen unserer klimapolitischen Ziele. Dabei muss die Erzeugung von grünem Wasserstoff, Transport, Speicherung und schließlich die großtechnische Anwendung räumlich und infrastrukturell zusammengedacht und -geführt werden. Nur so kann es gelingen, den Aufbau von Elektrolysekapazität im industriellen Maßstab zu realisieren und die Kosten für die Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff zu senken“, sagt Energieminister Olaf Lies.

„Bereits mit der Mittelfristigen Planung 2022 bis 2026 haben wir insgesamt 750 Millionen Euro für eine ‚Investitionsoffensive Niedersachsen‘ vorgesehen, woraus jetzt die Gegenfinanzierung der Förderung der Wasserstofftechnologie erfolgt. Das ist gut angelegtes Geld, zumal wir damit ein Gesamtvolumen von über drei Milliarden Euro mobilisieren. Ein erneuter Beleg, dass mit einer vorausschauenden Finanzpolitik die schwarze Null und dreistellige Millionenbeträge für Zukunftstechnologien kein Widerspruch sind“, sagt Finanzminister Reinhold Hilbers.

 

Quelle: Niedersächsische Staatskanzlei

Hintergrund zum IPCEI Wasserstoff

Die Abkürzung „IPCEI“ steht für „Important Projects of Common European Interest (IPCEI)“ (deutsch: „Wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse“). Mit einem IPCEI-Programm für Wasserstofftechnologien und -systeme soll der Aufbau einer nachhaltigen grünen Wasserstoffwirtschaft durch eine Investitionsförderung für wertschöpfungskettenübergreifende Wasserstoffprojekte im industriellen Maßstab angeschoben werden – national wie europaweit.

Anfang 2021 konnten Unternehmen in einem Interessenbekundungsverfahren Projektskizzen für Investitionsvorhaben einreichen. Mittlerweile wurden auf EU-Ebene über 400 Projekte aus 18 Staaten registriert und werden von der EU-Kommission notifiziert, das heißt beihilferechtlich geprüft und genehmigt. Am 28. Mai 2021 wurden vom Bund in Absprache mit den Ländern 62 deutsche Großvorhaben ausgewählt. Die Vorhaben sollen mit über acht Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln gefördert werden.

Niedersachsen profitiert weit überdurchschnittlich hiervon – mit dem heutigen Kabinettsbeschluss können – ein entsprechender Landtagsbeschluss im Septemberplenum vorausgesetzt –  über 2,3 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln für Investitionen in Niedersachsen mobilisiert werden: Der Bund bietet rund 1,6 Milliarden Euro an, wenn sich das Land mit weiteren 700 Millionen Euro beteiligt.

Damit würden privatwirtschaftliche Investitionen der Industrie und Energiewirtschaft in Höhe von mehreren Milliarden Euro am Standort Niedersachsen ermöglicht.

Was soll damit erreicht werden?

  1. Aufbau von rund 850 MW Elektrolyseleitung in Niedersachsen in den nächsten 5 Jahren gefördert werden – d.h. rund 40% der bundesweit über dieses Förderprogramm finanzierten Elektrolyseleistung soll in Niedersachsen errichtet werden!
  2. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet mit den aktuellen Projekt mit insgesamt über 2 GW bundesweit. Zum Vergleich: Das Ziel in der Nationalen Wasserstoffstrategie beläuft sich auf 10 GW Elektrolyseleistung bundesweit bis 2030.
  3. Darüber hinaus: Schaffung von mehr als 500 km Wasserstofftransport-infrastruktur in Niedersachsen, größtenteils durch Umwidmung bestehender Erdgasleitungen aber auch durch Neubau von Wasserstoffpipelines sowie die Umrüstung von Kavernen für die Erdgasspeicherung zu
  4. Einstieg in die Transformation der Industrie hin zur Klimaneutralität durch Einsatz von grünem Wasserstoff, z.B. in der Stahlerzeugung und in Raffinerieprozessen
©NWN

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H2Move

H2Move

PROJEKTE

H2Move

Das Erdölfeld Mittelplate ist das förderstärkste Erdölfeld Deutschlands und wird seit 35 Jahren von Wintershall Dea betrieben. Das Feld befindet sich im schleswig-holsteinischen Wattenmeer, weshalb ein möglichst umweltschonender Betrieb vorgesehen ist. Im Projekt H2Move sollen die Versorgerschiffe der Bohr- und Förderinsel Mittelplate auf Wasserstoff-Hybrid-Antriebe umgestellt werden. Der hierfür nötige Wasserstoff soll CO2-neutral in Cuxhaven erzeugt werden.

In Cuxhaven wird aktuell eine Elektrolyseanlage mit einer Leistung von 2 Megawatt für die Erzeugung von grünem Wasserstoff errichtet. Dieser soll bei den Versorgerschiffen der Bohr- und Förderinsel Mittelplate zum Einsatz kommen. Um die Tankvorgänge möglichst schnell durchzuführen, werden in Cuxhaven zudem Speicher mit verschiedenen Druckstufen gebaut.

Nach Fertigstellung der Anlage ist vorgesehen, den in Cuxhaven erzeugten Wasserstoff in sogenannten Tankcontainern unter einem Druck von bis zu 350 bar auf die Mittelplate-Schiffe zu befördern. Aus den Containern wird der Wasserstoff dann einer Brennstoffzelle zugeführt, die Strom erzeugt und schließlich den Elektromotor der Mittelplate-Schiffe antreibt.

Die vier Versorgungsschiffe der Mittelplate-Flotte legen laut Angaben von Wintershall Dea jährlich zusammen etwa 12.500 Seemeilen zurück. Als erster Versorger wird das Schiff Coastal Liberty umgerüstet. Allein dieses Schiff verbraucht rund 275.000 Liter Diesel pro Jahr und hat ein Einsparpotenzial von jährlich bis zu 700 Tonnen CO2.

Die Entwicklung und Umsetzung der landseitigen Versorgungsinfrastruktur wird durch die Turneo GmbH umgesetzt, einem Joint Venture aus der Hamburger Karlsson GmbH und der EWE Gasspeicher GmbH aus Oldenburg. Die Firma EnTec Industrial Services GmbH hatte zuvor eine Machbarkeitsstudie in Cuxhaven erfolgreich abgeschlossen. Das Projekt soll letztlich auch den Grundstein für den Aufbau einer regionalen Wasserstoffinfrastruktur in Cuxhaven legen.

Mehr zu dem Projekt gibt es hier.

 

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Über Wintershall Dea

Wintershall Dea sucht und fördert weltweit Öl und Erdgas. Seit mehr als 30 Jahren fördert das Unternehmen am Standort Mittelplate Erdöl. Zunehmend ist das Unternehmen jedoch auch in den Bereichen Wasserstoff und Carbon Capture and Storage (CCS) aktiv.

Logo © Wintershall Dea

Wasserstofftrocknung durch Absorption

Wasserstofftrocknung durch Absorption

PROJEKTE

   

©Uniper

Die Wasserstofftrocknungsanlage von Bilfinger soll die großtechnische Wasserstoffbehandlung ermöglichen.

© Bilfinger

Dezentrale Wasserstofftrocknung durch Absorption

Die Speicherung von grünem Wasserstoff ist ein zentrales Instrument, um die Versorgungssicherheit mit erneuerbaren Energien zu gewährleisten. Kavernenspeicher können dabei – insbesondere in Niedersachsen – geeignete Speichermöglichkeiten bieten. Um den Wasserstoff jedoch wieder verstromen oder aus den Kavernen ins Leitungsnetz einspeisen zu können, muss dieser zuvor getrocknet werden. Bilfinger entwickelt in diesem Zusammenhang aktuell in Cloppenburg eine Demonstrationsanlage, in welcher der Wasserstoff durch Absorption von Feuchtigkeit befreit wird. Diese sogenannte „Absorptionstrocknung“ wird bereits in großem Maßstab für Erdgas zur Gasspeicherung realisiert – und soll nun auch zur Trocknung großer Mengen Wasserstoffs eingesetzt werden.

Der im Rahmen des Projekts entwickelte Trocknungs-Prozess ermöglicht eine effiziente und großtechnische Wasserstoffbehandlung, die für die Speicherung und anschließende Netzeinspeisung von grünem Wasserstoff essenziell ist. Da die Technologie im Rahmen der Erdgastrocknung bereits erprobt ist, können in der Anlage auch große Mengen Wasserstoff kostengünstig getrocknet werden, welche für den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft nötig sind. Nach der Ausspeicherung – zum Beispiel aus Kavernen – wird der Wasserstoff im Rahmen der Absorptionstrocknung mittels einer geeigneten Waschflüssigkeit getrocknet und kann anschließend entweder verstromt oder in das Transportnetz eingespeist werden. Durch die Anlage soll Wasserstoff ähnlich flexibel zur Energieversorgung beitragen können wie Erdgas.  

Das gemeinsame Projekt der Bilfinger Engineering & Maintenance GmbH und des Instituts für Thermodynamik der Leibniz Universität Hannover wird vom Land Niedersachen gefördert und ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende, wie der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies betont: „Die Umsetzung dieses Projektes ist ein großer Schritt für die Energiewende. Dezentrale Wasserstofftrocknung durch Absorption für Gasspeicher und Netzeinspeisung, ist ein wesentlicher Schritt für die Wasserstoffwirtschaft. Mit dieser Technologie kann der Wasserstoff großtechnisch ökonomisch behandelt werden und das ermöglicht die Integration von Erneuerbaren Energien in unser Energiesystem. So kann der mit Hilfe von Wind- und Solarstrom erzeugte Wasserstoff oder der demnächst in Kavernen gespeicherte Wasserstoff in das Transportnetz eingespeist werden.“

Nach Fertigung bei der Bilfinger Engineering & Maintenance GmbH im niedersächsischen Cloppenburg erfolgt Anfang 2023 eine Testphase sowie ein Demonstrationsbetrieb in Rüdersdorf in Brandenburg, wo die EWE Gasspeicher GmbH aktuell im Rahmen des Projekts HyCAVmobil eine Salzkaverne als potenziellen Speicherort für Wasserstoff untersucht.

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Projektbeteiligte

Bilfinger ist ein international tätiger Industriedienstleister. Ziel der Konzerntätigkeit ist es, die Effizienz von Anlagen der Prozessindustrie zu steigern, ihre Verfügbarkeit zu sichern, Emissionen zu reduzieren und die Instandhaltungskosten zu senken. Bilfinger bietet dabei Leistungen in verschiedenen Bereichen an; im Consulting, Engineering, in der Fertigung, Montage und Instandhaltung bis hin zu Umwelttechnologien und digitalen Anwendungen.

Die Bilfinger Engineering & Maintenance GmbH ist Teil des internationalen Bilfinger Konzerns und im Industrieservice tätig. Mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter planen und überwachen Anlagen in der Prozessindustrie u.a. in den Bereichen Chemie, Petrochemie und Pharma.

Die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover ist mit rund 30.000 Studierenden Niedersachsens größte Universität. Das Institut für Thermodynamik vertritt die Technische Thermodynamik in der Fakultät für Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover in der Lehre und Forschung.