Interview: Ohne Fachkräfte keine Energiewende

Interview: Ohne Fachkräfte keine Energiewende

Im Gespräch mit Dr. Ruggero Capperucci

Lis Blume (NWN) und Dr. Ruggero Capperucci (Universität Oldenburg) beim Interview in Oldenburg. ©NWN

Ohne Fachkräfte schaffen wir keine Energiewende

Für den erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bedarf es einer umfassenden Aus- und Weiterbildung in vielen Sektoren. Denn mit der Umstellung auf Wasserstoff-Technologien gehen zahlreiche Veränderungen in Produktionsprozessen, in der Energie- oder auch der Fahrzeugnutzung einher. Das NWN fasst daher ab sofort aktuelle Qualifizierungsangebote zusammen und gibt einen Überblick über die wichtigsten Angebote in Niedersachsen.

Lis Blume, verantwortlich für die Kommunikation des NWN, hat sich deshalb mit Dr. Ruggero Capperucci unterhalten, Ansprechpartner für die Fortbildung „Wasserstoff für Fach- und Führungskräfte“ der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Leibniz Universität Hannover und Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES.

 „Bis 2030 brauchen wir 70.000 Wasserstoffspezialisten in Deutschland.“

 

 

Herr Capperucci, sind unsere Fachkräfte auf die Energiewende gut vorbereitet?

RC: Liebe Frau Blume, ich muss Ihnen leider eine klare Antwort geben: Nein. In Deutschland herrscht derzeit ein gravierender Mangel an Wasserstoffspezialisten. Eine Schätzung des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes (DWV) geht davon aus, dass bis zum Jahr 2030 70.000 neue Fachkräfte für den Wasserstoffkreislauf ausgebildet werden müssen – und das, bevor die letzten internationalen Ereignisse der Energieunabhängigkeit und der grünen Wende auf nationaler und EU-Ebene einen entscheidenden Impuls verliehen haben.

 

Wasserstoff als wichtiger Baustein in der Energieversorgung war in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder ein Thema, angefangen in den Achtzigern. Das Thema an sich ist nicht neu – warum fehlt trotzdem die Expertise beim Umgang mit dem Gas?

RC: Grüner Wasserstoff wird in den nächsten zehn Jahren in verschiedenen Sektoren sein Marktpotenzial entfalten. Die Technologie zur Nutzung von Wasserstoff für Energiezwecke ist seit Jahrzehnten gut bekannt. Dennoch erfordert ihre großflächige Anwendung ein Umdenken und eine Anpassung des gesamten Wirtschafts- und Industriesystems auf verschiedenen Ebenen. Die Energiewende mit Wasserstoff als zentraler „Brücke“ für die Kopplung verschiedener Sektoren bringt eine Vielzahl von technologischen, aber auch juristischen, ökonomischen, betrieblichen Herausforderungen mit sich. Nicht zuletzt sind auch Politik und Verwaltung gefordert, den Umbau in die Wege zu leiten und zu diesem zu begleiten.

 

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„Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft werden kompetente Fach- und  Führungskräfte in allen Bereichen entlang der Wertschöpfungsketten, sowie in Politik     und Verwaltung benötigt.“

 

 

Wir sprechen immer über die Facharbeiter und Verantwortliche in den Unternehmen. Sie bringen jetzt auch noch die Verwaltung ins Spiel – welche Rolle spielt sie beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft?

RC: Es gibt zurzeit einen starken politischen Willen für den Umbau der Industrie und zahlreiche Investitionen in Modellprojekte. Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft werden kompetente Fach- und Führungskräfte in allen Bereichen entlang der Wertschöpfungsketten, sowie in Politik und Verwaltung benötigt. Hinzu kommt, dass Projekte der Wasserstoffwirtschaft komplex, interdisziplinär und innovativ sind. Ein dezidiertes Weiterbildungsprogramm kann die Lernkurve verkürzen und die Kosten von Fehlern reduzieren.

Können Sie das konkretisieren?

RC: Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen: Für den Einsatz von Wasserstofffahrzeugen in der Fahrzeugflotte muss auch eine eigene Logistik bereitgestellt werden die Entscheidung für ein System legt ein Unternehmen auf Jahre hin fest und zieht zahlreiche Folgeentscheidungen nach sich. Mitarbeiter von Banken oder Versicherungen müssen in der Lage sein, die technischen Dimensionen eines Wasserstoffprojektes einzuschätzen, um dessen Machbarkeit und Finanzierbarkeit zu beurteilen. Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen müssen Anträge für neue wasserstoffbezogene Anlagen und Einrichtungen prüfen und die  Wirtschaftsförderungen müssen erkennen, welche Chancen und auch Herausforderungen die Wasserstoffwirtschaft für ihre Region bietet. All diese Personen benötigen eine kontinuierliche, umfassende und aktuelle Fort- und Weiterbildung.

Olaf Lies, Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz in Niedersachsen (Mitte), setzt sich für den schnellen Aufbau der Wasserstoffwirtschaft ein. Dafür hat er u.a. eine Förderrichtlinie auf den Weg gebracht, mit der Firmen wie aha in Hannover unterstützt werden bei der Umstellung auf nachhaltige Energien.  ©NWN

Welche Qualifikationen brauchen Fachkräfte im Umgang mit erneuerbaren Energien, aber vor allem mit Wasserstoff?

RC: Dies hängt von der Branche ab, in der sie tätig sind: Doch allgemein gilt, zusätzlich zu der schon vorhandenen Qualifikation benötigt jede Fachkraft, die sich mit erneuerbaren Energien und vor allem mit Wasserstoff befassen will das nötige Fachwissen. Darüber hinaus sollte sie in der Lage sein, Projekte der erneuerbaren Energien und auch der  Wasserstoffwirtschaft aus verschiedenen Perspektiven in den Blick zu nehmen, diese möglichst zu verstehen und mit verschiedenen Akteuren/Gewerken dieser Bereiche zu kommunizieren. 

 

Welche Fachkräfte nehmen denn beispielsweise an der Weiterbildung der Universität Oldenburg teil?

RC: Unter unseren TeilnehmerInnen befinden sich Fachleute mit den unterschiedlichsten Hintergründen: IngenieurInnen, die sich spezifisches Know-how über Wasserstofftechnologien aneignen wollen, BankmitarbeiterInnen, die sich mit spezifischen wirtschaftlichen Fragen zu Zeitplänen und Preistreibern für Wasserstoff befassen wollen, und so weiter. Wichtig ist jedoch, dass diese Fachleute aufgefordert werden, gemeinsam ein virtuelles Wasserstoffprojekt zu entwickeln, das all diese Aspekte umfasst, so dass jeder nicht nur seine eigene Disziplin einbringen kann, sondern auch lernt, mit den Augen des anderen zu sehen und sich ein vollständiges Bild des gesamten Projektprozesses zu machen.

 

Die Weiterbildung wird in einer Kombination aus Präsenz- und Onlineterminen, sowie Exkursionen angeboten. ©AdobeStock

„Führungskräfte müssen das  „Ökosystem“ der Wasserstoffwirtschaft verstehen.“

 

Jetzt haben wir über Fachkräfte gesprochen. In welchen Bereichen müssen sich Führungskräfte fortbilden, um am Ball zu bleiben?

RC: Führungskräfte müssen entscheiden, ob und wie die Wasserstoffwirtschaft für ihr Unternehmen oder ihren Bereich von Bedeutung sind und ggf. ein Geschäftsfeld aufbauen. Durch den dezentralen Charakter der erneuerbaren Energien bieten sich für viele Unternehmen Möglichkeiten, deren Führungskräfte das „Ökosystem“ der Wasserstoffwirtschaft verstehen müssen. Hierfür braucht es neben einem grundlegenden technischen Verständnis auch das Wissen um die Komponenten, die Dimensionen, die Akteure und die politischen Dimensionen von Wasserstoffprojekten, wie auch der Wasserstoffwirtschaft. Außerdem müssen sie mögliche Geschäftsmodelle einschätzen können und wissen, welche Kompetenzen und Personen sie für ein Wasserstoffprojekt benötigen.

Ihre Einschätzung: Werden wir ganz neue Ausbildungsberufe sehen, oder muss das Thema Wasserstoff in bestehende Ausbildungen integriert werden?

RC: Kurzfristig muss der dringende Bedarf an Fachkräften mit eigenen neuen Kursen und Programmen, wie dem unseren, gedeckt werden. Wir zielen darauf ab, in sechs Monaten mit einer hochwertigen akademischen Weiterbildung, die einen starker Praxisorientierung hat, das nötige Fach- und Überblickswissen wie auch die verschieden Perspektiven und eine eigenständige Orientierungsfähigkeit in der Wasserstoffwirtschaft zu vermitteln. Mittelfristig wird das Thema Wasserstoff m.E. mehr und mehr in den normalen Ausbildungskanon eingehen. Doch auch in dieser Phase sehe ich für unser Programm der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften der Wasserstoffwirtschaft gut Perspektiven.

Wasserstoff für Fach- und Führungskräfte

Das Weiterbildungsprogramm der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Leibniz Universität Hannover und dem Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES baut auf bestehenden berufsqualifizierenden Abschlüssen und Erfahrungen der Teilnehmenden auf und versetzt sie in die Lage, Wasserstoffprojekte beurteilen, initiieren und steuern zu können. Bei der Weiterbildung wird ein Wasserstoffvorhaben realitätsnah geplant und kalkuliert.

Qualifizierungsangebote im Wasserstoffsektor

Für den erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bedarf es einer umfassenden Aus- und Weiterbildung in vielen Sektoren. Das NWN fasst hier die aktuellen Angebote zusammen und gibt einen Überblick der relevanten Qualifizierungen in Niedersachsen.

 

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Niedersachsen stellt Weichen für Finanzierung von Wasserstoff-Großprojekten

Niedersachsen stellt Weichen für Finanzierung von Wasserstoff-Großprojekten

Pressemitteilung

Niedersachsen stellt Weichen für die Finanzierung von Wasserstoff-Großprojekten 

Das Kabinett hat am Dienstag, den 30. August 2022, die Finanzierung für Erzeugung und Import von Wasserstoff auf den Weg gebracht und damit die Weichen für die künftige Energieversorgung gestellt. Im Zuge des europäischen IPCEI-Programms für Wasserstofftechnologien und -systeme soll in Niedersachsen eine nachhaltige grüne Wasserstoffwirtschaft aufgebaut werden.

Die Bundesregierung fördert mit einer Ko-Finanzierung der Bundesländer große, grenzüberschreitende Vorhaben im Bereich Wasserstofftechnologien und -systeme unter anderem über IPCEI „Important Projects of Common European Interest“ („Wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse“) und nach der Beihilfeleitlinie für Klima, Umwelt und Energie (KUEBLL).

Anfang 2021 konnten Unternehmen in einem Interessenbekundungsverfahren Projektskizzen für Investitionsvorhaben einreichen. Mittlerweile wurden auf EU-Ebene über 400 Projekte aus 18 Staaten registriert und werden von der EU-Kommission in verschiedenen „Wellen“ notifiziert, das heißt beihilferechtlich geprüft und genehmigt.

Am 28. Mai 2021 wurden vom Bund in Absprache mit den Ländern 62 deutsche Großvorhaben ausgewählt. Die Vorhaben sollen mit über acht Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln gefördert werden.

Niedersachsen profitiert weit überdurchschnittlich von dem Förderprogramm. Die Lage an der Küste mit den Seehäfen, ein gut ausgebautes Gasnetz, große Kavernenspeicher und die enormen Potenziale an erneuerbaren Energien prädestinieren Niedersachsen als Erzeugungszentrum, Import-Hub und Drehscheibe der deutschen und europäischen Wasserstoffwirtschaft.

Sofern auf den heutigen Kabinettsbeschluss ein entsprechender Landtagsbeschluss im September-Plenum folgt, würden über 2,3 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln für niedersächsische Investitionen in Wasserstoffprojekte mobilisiert: Der Bund bietet über 1,6 Milliarden Euro an, wenn sich das Land mit weiteren rund 700 Millionen Euro beteiligt.

Zur Finanzierung sieht der heute durch das Kabinett auf den Weg gebrachte Gesetzesentwurf eine weitere Aufstockung des Wirtschaftsförderfonds vor. Bereits am 29. Juni 2022 hatte der niedersächsische Landtag beschlossen, dem Wirtschaftsförderfonds 459,5 Millionen Euro, die aufgrund des günstigen Verlaufs des Haushaltsjahres 2021 zur Verfügung standen, für diesen Zweck zuzuführen. Nun sollen dem Wirtschaftsförderfonds in den Jahren 2024 bis 2026 weitere Mittel in Höhe von insgesamt 240 Millionen Euro für Wasserstoffprojekte zufließen. Der heute beschlossene Gesetzentwurf soll – wenn möglich – noch im September-Plenum verabschiedet werden.

„Mit einem Landesanteil von 700 Millionen Euro schaffen wir die Voraussetzungen zur Kofinanzierung von zwölf großen, grenzüberschreitenden Vorhaben im Bereich Wasserstofftechnologien und -systeme. Insgesamt geht es um Investitionen in Milliardenhöhe, einschließlich Bundesmitteln in Höhe von über 1,6 Milliarden Euro für niedersächsische Industrieunternehmen“, sagt Ministerpräsident Stephan Weil. „Grüner Wasserstoff wird eine wesentliche Säule unserer zukünftigen Energieversorgung sein. Niedersachsen ist in dieser Hinsicht führend. Das ist auch ein Beitrag dazu, Energieland Nr.1 zu werden.“

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sagt: „Zusätzlich zur Sicherung vorhandener Arbeitsplätze durch die Dekarbonisierung der CO2-intensiven Industrien von heute stellen diese Projekte eine sehr große Chance für die industrielle Weiterentwicklung Niedersachsens dar. Erneuerbare, günstige und sicher verfügbare Energie ist ein entscheidender Standortvorteil für neue Industrieansiedlungen in Niedersachsen.“

„Mit einer starken Wasserstoffwirtschaft tragen wir Niedersachsen unseren Teil zur Energiesicherheit und für die Unabhängigkeit Deutschlands bei. Sie ist ein wichtiger Teil des Fundaments für das Gelingen unserer klimapolitischen Ziele. Dabei muss die Erzeugung von grünem Wasserstoff, Transport, Speicherung und schließlich die großtechnische Anwendung räumlich und infrastrukturell zusammengedacht und -geführt werden. Nur so kann es gelingen, den Aufbau von Elektrolysekapazität im industriellen Maßstab zu realisieren und die Kosten für die Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff zu senken“, sagt Energieminister Olaf Lies.

„Bereits mit der Mittelfristigen Planung 2022 bis 2026 haben wir insgesamt 750 Millionen Euro für eine ‚Investitionsoffensive Niedersachsen‘ vorgesehen, woraus jetzt die Gegenfinanzierung der Förderung der Wasserstofftechnologie erfolgt. Das ist gut angelegtes Geld, zumal wir damit ein Gesamtvolumen von über drei Milliarden Euro mobilisieren. Ein erneuter Beleg, dass mit einer vorausschauenden Finanzpolitik die schwarze Null und dreistellige Millionenbeträge für Zukunftstechnologien kein Widerspruch sind“, sagt Finanzminister Reinhold Hilbers.

 

Quelle: Niedersächsische Staatskanzlei

Hintergrund zum IPCEI Wasserstoff

Die Abkürzung „IPCEI“ steht für „Important Projects of Common European Interest (IPCEI)“ (deutsch: „Wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse“). Mit einem IPCEI-Programm für Wasserstofftechnologien und -systeme soll der Aufbau einer nachhaltigen grünen Wasserstoffwirtschaft durch eine Investitionsförderung für wertschöpfungskettenübergreifende Wasserstoffprojekte im industriellen Maßstab angeschoben werden – national wie europaweit.

Anfang 2021 konnten Unternehmen in einem Interessenbekundungsverfahren Projektskizzen für Investitionsvorhaben einreichen. Mittlerweile wurden auf EU-Ebene über 400 Projekte aus 18 Staaten registriert und werden von der EU-Kommission notifiziert, das heißt beihilferechtlich geprüft und genehmigt. Am 28. Mai 2021 wurden vom Bund in Absprache mit den Ländern 62 deutsche Großvorhaben ausgewählt. Die Vorhaben sollen mit über acht Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln gefördert werden.

Niedersachsen profitiert weit überdurchschnittlich hiervon – mit dem heutigen Kabinettsbeschluss können – ein entsprechender Landtagsbeschluss im Septemberplenum vorausgesetzt –  über 2,3 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln für Investitionen in Niedersachsen mobilisiert werden: Der Bund bietet rund 1,6 Milliarden Euro an, wenn sich das Land mit weiteren 700 Millionen Euro beteiligt.

Damit würden privatwirtschaftliche Investitionen der Industrie und Energiewirtschaft in Höhe von mehreren Milliarden Euro am Standort Niedersachsen ermöglicht.

Was soll damit erreicht werden?

  1. Aufbau von rund 850 MW Elektrolyseleitung in Niedersachsen in den nächsten 5 Jahren gefördert werden – d.h. rund 40% der bundesweit über dieses Förderprogramm finanzierten Elektrolyseleistung soll in Niedersachsen errichtet werden!
  2. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet mit den aktuellen Projekt mit insgesamt über 2 GW bundesweit. Zum Vergleich: Das Ziel in der Nationalen Wasserstoffstrategie beläuft sich auf 10 GW Elektrolyseleistung bundesweit bis 2030.
  3. Darüber hinaus: Schaffung von mehr als 500 km Wasserstofftransport-infrastruktur in Niedersachsen, größtenteils durch Umwidmung bestehender Erdgasleitungen aber auch durch Neubau von Wasserstoffpipelines sowie die Umrüstung von Kavernen für die Erdgasspeicherung zu
  4. Einstieg in die Transformation der Industrie hin zur Klimaneutralität durch Einsatz von grünem Wasserstoff, z.B. in der Stahlerzeugung und in Raffinerieprozessen
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Sieben Wegmarken zum Aufbau einer niedersächsischen Wasserstoffwirtschaft

Sieben Wegmarken zum Aufbau einer niedersächsischen Wasserstoffwirtschaft

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Sieben Wegmarken zum Aufbau einer niedersächsischen Wasserstoffwirtschaft

Niedersachsen hat beste Voraussetzungen, Wasserstoffland Nummer 1 zu werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund, Verbundpartner im Niedersächsischen Wasserstoff-Netzwerk, hat nun das Papier „Wasserstoff für eine klimaneutrale niedersächsische Industrie“ für die Reihe „Gerechter Wandel“ vorgelegt. Darin wird dargestellt, welche Rolle Wasserstoff bei der Dekarbonisierung der niedersächsischen Industriesektoren spielen kann und welche industriepolitischen Maßnahmen erforderlich sind, um dieses Ziel zu erreichen.

Felix Fleckenstein, Projektleiter des DGB im Niedersächsischen Wasserstoff-Netzwerk und Autor des Papiers hierzu: „Für eine nachhaltig erfolgreiche und wirtschaftlich selbsttragende Wasserstoffwirtschaft müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Langfristig muss es gelingen, Versorgungssicherheit mit Wasserstoff herzustellen und die Wasserstoffprojekte untereinander zu einem Gesamtsystem zu vernetzen. Dafür braucht es mehr staatliche Planung und Investitionen. Und es muss sichergestellt werden, dass durch Wasserstofftechnologien gute Arbeitsplätze entstehen und gesichert werden. In unserem neuen Papier zeigen wir sieben Handlungsfelder auf, in denen die Landespolitik aktiv werden sollte.“

Das Papier ist Teil der Reihe „Gerechter Wandel“, in dem der Deutsche Gewerkschaftsbund Lösungswege für die großen Herausforderungen unserer Zeit – wie Dekarbonisierung, Digitalisierung und Globalisierung – skizziert. Das Papier kann hier heruntergeladen werden.

Felix Fleckenstein

Felix Fleckenstein, Projektleiter des DGB im NWN und Autor des Papiers

Steyerberg will zentraler Energieproduzent werden

Steyerberg will zentraler Energieproduzent werden

Projekte

Steyerberg will zentraler Standort für erneuerbare Energien werden

Mit nur rund 5000 Einwohnern will Flecken Steyerberg im Kreis Nienburg zentraler Energiestandort in Niedersachsen werden. Auf einem ehemaligen Militärgelände soll im Projekt „H2art of Lower Saxony“ mit dem Ökostrom aus 12 Windrädern grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab hergestellt werden.  

Auf seiner Sommerreise besuchte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil am Dienstag, den 05. Juli Steyerberg im Kreis Nienburg. Dort soll auf dem 1.100 Hektar großen, ehemaligen NATO-Waldgelände ein Windpark der Firma WestWind Energy mit 12 Windrädern entstehen, die jährlich bis zu 180 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen können. Der Strom soll die Grundlast für einen Elektrolyseur sichern, könne aber auch ins Netz eingespeist werden, so die Organisatoren. Zusätzlicher Strombedarf kann durch die direkte Anbindung an die 380 kV Nord-Süd-Stromtrasse gesichert werden, die den Offshore-Strom in den Süden transportiert.

„Wir haben hier den idealen Dreiklang aus Windenergie, Biogasanlage und die Anbindung an die Nord-Süd-Stromautobahn. Dazu kommt die günstige Nähe zum künftigen Wasserstoffstartnetz, wie es im Netzentwicklungsplan Gas geplant wird“, erklärt Christian Alvermann von der kommunalen Wirtschaftsförderung“.

Der Wasserstoff soll lokal eingesetzt werden. Die ortsansässige Chemieanlage Oxxynova plant synthetische Kraftstoffe zu produzieren und bisher nicht verwertbare Kunststoffabfälle zu recyclen. Darüber hinaus können Wasserstofftankstellen in den Landkreisen Nienburg, Diepholz und Schaumburg beliefert werden, sowie eine geplante Wasserstofftankstelle für Binnenschiffe an der Weser. Auf dem Gelände selbst soll auch ein Wasserstoffspeicher eingerichtet werden.  Den Wasserbedarf hierzu stellen vier ansässige Wasserwerke zur Verfügung.

Der Bau soll 2024 realisiert werden. In Stufen soll die Kapazität dann auf 1GW Wasserstoff erhöht werden.

Für den Bau der Windräder müssen rund 4 Hektar Wald gerodet werden, die wieder neu aufgeforstet werden. Für die Konstruktion sollen bereits bebaute Flächen weitergenutzt werden, aber auch leerstehende Flächen, auf denen Pinien bereits durch Trockenheit abgestorben sind.

 

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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil informiert sich vor Ort.  Bild: NWN

aha: Mit grünem Wasserstoff in die Zukunft

aha: Mit grünem Wasserstoff in die Zukunft

Projekte

aha: Mit grünem Wasserstoff in die Zukunft

Am Dienstag übergab Umwelt- und Energieminister Olaf Lies der Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) einen Förderbescheid über etwa 2,6 Millionen Euro für ein Projekt zur Wasserstoff-Plasmalyse. Im Rahmen des Projekts soll auf dem Betriebsgelände der aha mithilfe von Bio-Methan, das bei der Abfallbehandlung entsteht, grüner Wasserstoff hergestellt werden. Dieser soll dann in der Fahrzeugflotte von aha eingesetzt werden, die zunehmend auf Wasserstoffantrieb umgestellt wird. In diesem Zusammenhang wurde am 05. Juli auch ein neues Brennstoffzellen-Müllsammelfahrzeug näher vorgestellt.

Abfallsammel-Fahrzeuge fahren mit sauberem grünem Wasserstoff, der aus mechanisch-biologischer Abfallbehandlung gewonnen wird. Das ist keine Zukunftsvision, denn genau dies ist der Plan der Abfallwirtschaft Region Hannover (aha): Der komplette Abfallsammelfahrzeug-Fuhrpark soll nach und nach auf brennstoffzellenbetriebene Wasserstofffahrzeuge umgestellt werden. Um langfristig eigene Wasserstofftankstellen an den Fahrzeugstandorten zu versorgen, soll der grüne Wasserstoff auf dem eigenen Betriebsgelände produziert und gespeichert werden.

„Bei der biologisch-mechanischen Abfallbehandlung entsteht Bio-Methan. Dies kann entweder genutzt oder weiterverarbeitet werden. Hier wird aus Bio-Methan Wasserstoff gewonnen, der brennstoffzellenbetriebene Abfallsammel-Fahrzeuge bewegt. Das bringt die Wasserstoffmobilität voran, die bei Nutzfahrzeugen mit hohem Energiebedarf eine sinnvolle Lösung ist. Das fördern wir als Wasserstoffland Nr.1 sehr gerne. Ich bin überzeugt, dass die Regionspolitik das Projekt für aha freigeben und erfolgreich begleiten wird“, sagt Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, anlässlich der Förderbescheid-Übergabe von zirka 2,6 Millionen Euro an aha.

Kreislaufansatz zur Produktion von grünem Wasserstoff

Partner des Projekts, das einen nachhaltigen Kreislaufansatz zur Produktion von grünem Wasserstoff verfolgt, sind der Forschungs- und Entwicklungspartner Graforce GmbH aus Berlin und die Klimaschutzagentur Region Hannover gGmbH. Regionspräsident Steffen Krach betont: „Ziel ist es, den öffentlich-rechtlichen Entsorger langfristig nachhaltig aufzustellen. Die Klimaziele gelingen nur, wenn eine leistungsfähige Klimawirtschaft entwickelt werden kann. Auf dem Weg zur klimaneutralen Region Hannover setzen wir mit diesem Projekt einen mutigen Meilenstein für eine kohlenstofffreie Wirtschaft im Rahmen der Energiewende.“

Bisher wird auf der Deponie Hannover Methangas in Blockheizwerken verstromt. „Das Methan stammt aus den ausgasenden Abfällen des Deponieberges sowie aus der biologischen Abfallbehandlungsanlage“, sagt Christine Karasch, Regionsrätin und Dezernentin Umwelt, Planung und Bauen. „Durch die Vergärung von Rest- und Bioabfällen wird Methangas gewonnen, das durch die Bio-Methan-Plasmalyse mittels Hochvolttechnik zu Wasserstoff und zu Kohlenstoff umgewandelt wird.“ Im Vergleich zur herkömmlichen Erzeugung von Wasserstoff benötigt die Plasmalyse nur ein Viertel der Energiemenge.

34,5 Tonnen CO2-Ersparnis pro Jahr

„Mit dem neuen wasserstoffbetriebenen Müllwagen können täglich 132 Kilogramm CO2 eingespart werden, das sind ca. 34,5 Tonnen im Jahr. Damit setzen wir einen Meilenstein beim Thema Emissionseinsparung“, erklärt aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz. „Denn die EU-Richtlinie zur Beschaffung emissionsarmer Fahrzeuge „Clean vehicle directive“ in Verbindung mit dem „Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz“ legt bis 2025 eine verbindliche Quote für die Neubeschaffung emissionsfreier Fahrzeuge fest. Damit reduziert aha Kohlendioxidemissionen und damit den Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre.“

aha setzt im Raum Hannover täglich 230 Abfallsammelfahrzeuge ein, die eine Fahrstrecke zwischen 80 und 120 Kilometern zurücklegen und durchschnittlich 55 Liter Diesel je 100 Kilometer verbrauchen. „Im Gegensatz dazu reichen bei den ebenfalls vom Land Niedersachsen geförderten Wasserstofffahrzeugen rund zwölf Kilogramm Wasserstoff für zwei Sammeltouren von jeweils acht Stunden“, sagt Frank Bier, stellvertretender Leiter der Abfall- und Wertstoffsammlung aha. „Mit 10,5 Tonnen Zuladung kann das Fahrzeug ebenso viel Abfall wie ein herkömmliches Müllfahrzeug zuladen.“

Bildergalerie zur Übergabe des Förderbescheids

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Umwelt- und Energieminister Olaf Lies (rechts) übergab am Dienstag den Förderbescheid an Thomas Schwarz von der aha. Bild: NWN

Aufruf zur Umfrage für den Branchenführer Wasserstoff in Niedersachsen

Aufruf zur Umfrage für den Branchenführer Wasserstoff in Niedersachsen

Pressemitteilung

Aufruf zur Umfrage für den Branchenführer Wasserstoff in Niedersachsen (UVN/NWN)

Welche Produkte und Dienstleistungen bieten niedersächsische Unternehmen in der Wasserstoffwirtschaft an? Und wo finde ich die richtigen Partner für mein Wasserstoffprojekt? Mit einem digitalen Wasserstoff-Branchenführer wollen wir diese Fragen beantworten und einen Überblick über alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette und über alle Anwendungsbereiche hinweg schaffen.

Die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) erfassen deshalb im Rahmen des Niedersächsischen Wasserstoff-Netzwerkes (NWN) in Zusammenarbeit mit den Partnern die bestehende sowie potenzielle Akteurslandschaft in Niedersachsen.

Ihr Vorteil

Als Akteur können Sie mit Ihrem Angebot Sichtbarkeit für andere Unternehmen erlangen, und gleichzeitig haben Sie eine Übersicht aller relevanten Aktivitäten in Niedersachsen.  Dies kann Ihnen beim Finden von potenziellen Kunden, Partnern, Dienstleistern, Komponentenherstellern, Systemanbietern etc. helfen.

Ihre Teilnahme

Die Umfrage wird ca. 3 Minuten Ihrer Zeit beanspruchen. Nach Ihrer erfolgreichen Teilnahme an der Umfrage werden wir nochmal gesondert auf Sie zukommen, um Ihre (geplanten) Tätigkeiten entsprechend zu erfassen.

Wir freuen uns daher über Ihre Teilnahme an unserer Umfrage und über eine entsprechende Weiterleitung an relevante Akteure. Die Teilnahme ist bis zum 14.07.2022 unter folgendem Link: https://umfrage.uvn.digital/715977 möglich.

Die Teilnahme an dieser Umfrage ist für Sie selbstverständlich kostenlos! Sollten sich noch Rückfragen ergeben, melden Sie sich gerne. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören!

Kontakt:

Larissa Weiß

Projektleitung UVN
Unternehmerverbände Niedersachsen e.V.
Verbundpartner

0511 85 05 312
lw[at]uvn.digital

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