RWE baut 14 Megawatt Elektrolyse-Testanlage in Lingen

RWE baut 14 Megawatt Elektrolyse-Testanlage in Lingen

PROJEKTE

   

RWE baut 14 Megawatt Elektrolyse-Testanlage in Lingen

Das Land Niedersachsen unterstützt den von RWE geplanten Bau einer Test-Elektrolyse in Lingen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Den entsprechenden Bescheid übergab Olaf Lies, Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz am Dienstag, den 03. Mai 2022. Baustart soll im Juni sein. Die Anlage soll ab Mitte 2023 grünen Wasserstoff erzeugen.

Die Pilot-Elektrolyse wird zunächst eine Kapazität von 14 Megawatt (MW) haben und damit
direkt zu den größten Anlagen ihrer Art in Deutschland gehören. RWE will in der Versuchsanlage
zwei Elektrolyse-Technologien unter industriellen Bedingungen erproben: Der Dresdner
Hersteller Sunfire installiert für RWE einen Druck-Alkali-Elektrolyseur mit einer Kapazität von
10 MW. Parallel dazu errichtet Linde, das weltweit führende Industriegase- und Engineering-
Unternehmen, einen 4-MW-Protonen-Austausch-Membran-Elektrolyseur (PEM). RWE wird
Eigentümer und Betreiber der gesamten Anlage in Lingen sein.

Ab Frühjahr 2023 soll die Anlage mithilfe von grünem Strom pro Stunde bis zu 290 Kilogramm grünen Wasserstoff erzeugen. Das Projekt ist auf drei Jahre mit Option für eine Verlängerung um ein Jahr angelegt.

 

Einsatz

Der dabei erzeugte Wasserstoff soll in ein öffentliches Wasserstoffnetz eingespeist oder dem Brennstoff für Gasturbinen des Kraftwerkes beigemischt werden. Zudem könnte damit die wasserstofffähige Gasturbine versorgt werden, deren Errichtung RWE und Kawasaki bis 2024 in Lingen planen.

 

Standort

Lingen spielt eine Schlüsselrolle in RWEs Wasserstoffstrategie: Im Rahmen des Projekts GET H2 plant das Unternehmen, dort bis 2024 eine erste 100-MW-Elektrolyseanlage zu errichten. Die Kapazität dieser Anlage soll bis 2026 auf 300 MW ausgebaut werden. Ziel von GET H2 ist es, gemeinsam mit Partnern die kritische Masse zu schaffen, die es braucht, um den Aufbau einer überregionalen Wasserstoffinfrastruktur in Gang zu setzen und einen starken europäischen Wasserstoff-Markt zu entwickeln.

Förderung

Das Land Niedersachsen unterstützt den Bau mit 8 Mio. Euro. RWE gab bekannt 30 Mio. Euro in den Bau der Test-Elektrolyse auf dem Gelände des Gaskraftwerks Emsland zu investieren.

Sopna Sury

COO Hydrogen RWE Generation

Bis 2030 wird RWE zwei Gigawatt eigene Elektrolysekapazität schaffen, um damit grünen Wasserstoff zu erzeugen. Die Investitionsentscheidung für eine Versuchsanlage hier in Lingen ist richtungsweisend für uns. Damit wollen wir Betriebserfahrungen im industriellen Einsatz der beiden Technologien sammeln, die etwa im Rahmen von GET H2 im dreistelligen Megawatt-Bereich zum Einsatz kommen sollen. Die Förderzusage des niedersächsischen Umweltministeriums trägt maßgeblich dazu bei, dass dieses Pilot-Projekt umgesetzt werden kann, das den Weg bereitet für künftige Großanlagen.

©RWE

Olaf Lies

Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz

Wir sehen hier in Lingen eine faszinierende Transformationsgeschichte hinein in die Zukunft unserer Energieproduktion. RWE zeigt damit nicht nur, dass es zum Energiestandort Lingen steht. Mit dem Pilotprojekt wird auch der erste Schritt gegangen zum geplanten Aufbau großskaliger Elektrolysekapazitäten hier vor Ort. Hier schaffen wir gemeinsam die Basis für einen ganzen Elektrolyseur-Park, der hier entstehen kann und soll.

Außerdem führt uns der Krieg in der Ukraine so deutlich wie nie zuvor vor Augen, dass wir die Energiewende brauchen – eher heute als morgen. Sie steht mittlerweile für mehr als nur Klimafreundlichkeit, sie wird zum Symbol für Frieden und Unabhängigkeit. Wasserstoff wird dabei fester Bestandteil unseres Energiesystems, ihn brauchen wir zum Erreichen unserer Klimaziele. Die Energiewende kann nur mit Molekülen und Elektronen gelingen. Auch dazu trägt RWE mit diesem Projekt seinen Teil bei.

Durch den Bau und gleichzeitigen Betrieb der beiden unterschiedlichen Elektrolyseurtypen wird ein fundierter Vergleich der technischen und wirtschaftlichen Parameter der beiden Technologien möglich. Die so gewonnen Erkenntnisse können dann einfließen in die anstehenden Investitionsentscheidungen zum Ausbau der Elektrolysekapazität dann im dreistelligen Megawatt-Bereich.

©picture_alliance-Holger_Holleman-dpa

IPCC-Bericht: Wasserstoff für den Klimaschutz

IPCC-Bericht: Wasserstoff für den Klimaschutz

News

IPCC-Bericht: Wasserstoff ist Werkzeug für den Klimaschutz

„Wir sind an einem Scheideweg. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, können eine lebenswerte Zukunft sichern. Wir haben die Werkzeuge und das Wissen, um die Erderwärmung zu begrenzen.“

Hoesung Lee, Vorsitzender IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change)

Nicht 1,5 Grad Celsius, nicht 2 Grad Celsius – die bisherigen Ambitionen, die Erderwärmung zu begrenzen, führen uns in eine Welt mit 3,2 Grad Celsius als Anstieg der globalen mittleren Temperatur im Jahr 2100. So lautet das dramatische Ergebnis des gerade veröffentlichten dritten Teils des sechsten IPCC-Berichts. In diesem Teil setzen sich Forschende aus der ganzen Welt insbesondere mit Mitteln zur Begrenzung der Erderwärmung und ihrer dramatischen Folgen auseinander.

Als eines der zentralen Werkzeuge nennt der Bericht in Kapitel 1 dabei klimafreundlichen Wasserstoff. Dabei wird Wasserstoff in industriellen Prozessen bei der Stahlerzeugung als Beispiel von möglichen Maßnahmen behandelt. Gleichzeitig wird die Bereitstellung einer Wasserstoffinfrastruktur als Herausforderung gesehen, bei welcher übergangsweise eine Technologieoffenheit für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft empfohlen wird.[1]

Die entstehenden Kosten der Dekarbonisierung hingen von der Politik, der Gestaltung sowie der Umsetzung des Übergangs in eine emissionsfreie Zukunft ab. Insbesondere die Verfügbarkeit von Technologien spiele bei der Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle. Wissenschaftliche Fortschritte bei Biokraftstoffen, synthetischen Kraftstoffen, aber auch Wasserstoff führten zu einer wirtschaftlichen Verbesserung von „net zero energy systems“[2]. Integrierte Gesamtsystemansätze senkten dabei die Kosten eines solchen Übergangs.

Um diese notwendige Systemflexibilität zu erreichen, spiele die Sektorenkopplung eine entscheidende Rolle, welche fortschrittliche Technologien gezielt in einem Gesamtsystem anwenden könne, so der Bericht. Gleichzeitig könnten Wasserstoffproduktionsprozesse und Wasserstoffspeicher die Resilienz von Energiesystemen erhöhen. Mit einer Gesamtsystemperspektive könne eine integrierte Planung sowohl den kurzfristigen Betrieb als auch langfristige Investitionsentscheidungen unterstützen. Der Bericht zeigt, dass die entsprechende Infrastruktur dann von der lokalen bis zur nationalen und internationalen Ebene abgedeckt werden könne und dabei die Anforderungen an die Versorgungssicherheit erfülle.[3]

Der Weltklimarat hat die Aufgabe inne, die wissenschaftlichen Befunde zum Klimawandel stetig zu überarbeiten. Seit dem Jahr 1990 werden Berichte veröffentlicht, an welchen zahlreiche Forschende arbeiten.[4] Der sechste Sachstandsbericht besteht aus vier Teilen. Der erste Band wurde im August 2021, der zweite Teil im Februar 2022 und der dritte Teil über den Klimaschutz im April 2022 veröffentlicht. Der vierte Band soll als Synthesebericht vermutlich im September 2022 erscheinen.

Der gesamte Bericht kann hier nachgelesen werden: https://www.ipcc.ch/report/sixth-assessment-report-working-group-3/

 

[1] https://report.ipcc.ch/ar6wg3/pdf/IPCC_AR6_WGIII_FinalDraft_FullReport.pdf (Seite 231 im Adobe View, Seite 1-25 des Chapter 1 im gesamten Bericht)

[2] https://report.ipcc.ch/ar6wg3/pdf/IPCC_AR6_WGIII_FinalDraft_FullReport.pdf (Seite 948 im Adobe View, Seite 6-5 des Chapter 6 des Gesamtberichtes)

[3] https://report.ipcc.ch/ar6wg3/pdf/IPCC_AR6_WGIII_FinalDraft_FullReport.pdf, Seite 992 im Adobe View, Seite 6-49 im Chapter 6 des Gesamtberichtes

[4] https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2022-04/ipcc-bericht-klimaschutz-1-5-grad/komplettansicht

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European Hydrogen Week 2021

European Hydrogen Week 2021

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EUROPEAN HYDROGEN WEEK 2021

In der vergangenen Woche hat in Brüssel die zweite European Hydrogen Week (EHW) stattgefunden. Die fünftägige Veranstaltung bot eine Vielzahl an Vorträgen, Sessions und viel Raum für den gemeinsamen Austausch und die Diskussion von Wasserstoffthemen. Dabei wurde die wachsende Bedeutung von sauberem Wasserstoff  für die Einhaltung der EU-Klimaziele, aber auch für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft betont.  Neele Birnbaum, Energierefentin des NWN hat die Veranstaltung verfolgt und eine kurze Zusammenfassung erstellt.

Die Rolle von sauberem Wasserstoff als Energieträger der Zukunft wird in den kommenden Jahren weiter deutlich zunehmen – da waren sich die Teilnehmenden der zweiten European Hydrogen Week in Brüssel einig. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eröffnete die European Hydrogen Week (EHW) mit dem Appell, Europas Vorreiterrolle beim Wasserstoff durch Investitionen zu sichern.

Jean-Eric Paquet von der Europäischen Kommission fügte in seiner Keynote hinsichtlich der Klimaschutz-Ambitionen der EU hinzu, dass Wasserstoff Europas Industrie erlauben werde, Emissionen zu reduzieren und die gesetzten Ziele zu erreichen. René Schutte  (FCH JU Chair) ergänzte später, dass die Vorreiterrolle Europas nicht ohne Public Private Partnerships (PPP) hätte erreicht werden können und unterstrich deren Bedeutung in der Förderung von Forschung und Innovation (R&I).

Im Weiteren sprach Kerstin Jorna von der Europäischen Kommission in ihrer Keynote über den Weg bis 2050. Frau Jorna betonte, dass die Forschung der letzten Jahre wichtig war, aber heute der Business Case von zentraler Bedeutung sei. „Es ist der Business Case, der uns auf den Weg nach 2050 bringen wird“, so Jorna. Damit das gelingen kann, dürfe Europa sich jetzt nicht abhängen lassen und müsse sicherstellen, dass es von der eigenen Forschung vollständig profitiert. Entscheidend dafür seien drei Elemente: 1) Die Schaffung eines Marktes, 2) Investitionen zu bewirken und 3) der regulatorische Rahmen. Konkret bedeute das, ausreichend Angebot und Nachfrage für Wasserstoff zu schaffen und das Einpendeln im Marktgleichgewicht zu erwirken. Hier verwies Frau Jorna auf die einleitenden Worte von Ursula von der Leyen, die in ihrer Eröffnungsrede von dem Ziel sprach, die Kosten für sauberen Wasserstoff auf unter 1,80€ pro Kilo bis 2030 reduzieren zu wollen. Neben der preislichen Entwicklung müssten für einen erfolgreichen Markthochlauf solide Projekte präsentiert und mittels regulatorischer Rahmenbedingungen Stabilität für Investoren geschaffen werden, so Jorna.

Jorgo Chatzimarkakis rief den Teilnehmenden in seinem Vortrag in Erinnerung, dass es keine Wunderwaffe auf dem 1,5 Grad-Pfad gebe. Für die Erreichung der Klimaziele dürfe man sich also nicht nur auf grünen Wasserstoff verlassen. Außerdem appellierte der CEO von Hydrogen Europe an die Industrie, Regulationen als etwas Positives zu begreifen. Gleichzeitig sollten Unternehmen aber auch adressieren, wenn diese oder Elemente daraus eine Barriere darstellen. Eine direkte Kommunikation sei laut Chatzimarkakis für ein zügiges Handeln zwingend notwendig, um so das Abwandern von Unternehmen und Know-how auf andere Märkte, etwa den US-amerikanischen Markt, zu verhindern.

Eine Herausforderung für den erfolgreichen Weg in Richtung 2050 stelle auch die Vermittlung der dafür erforderlichen Fähigkeiten dar. Um das „skill lack“ zu beheben, sei die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Bildung, unter Einbindung der Gesellschaft, zwingend notwendig, so Manuela Geleng (Director for Skills, DG Employment, European Commission). Die Behebung des Ausbildungsproblems sei ein Kernelement, um zu garantieren, dass die EU von der eigenen Forschung vollständig profitieren kann. Frau Geleng benannte in ihrer Rede darüber hinaus das Erfordernis, neue Partnerschaften zu bilden und bestehende zu stärken.

Auch die Themen der Standardisierung und Zertifizierung wurden auf der EHW adressiert. In der Session „Standards for a Hydrogen Economy“ diskutierten die Teilnehmenden unter Leitung von Joaquim Nunes de Almeida (Director, DG GROW, European Commission) über die Bedeutung von Standards für die Wasserstoffwirtschaft. Man war sich einig, dass die Entwicklung von Wasserstoff Codes, Standards, Protokollen und Zertifikaten dringend erforderlich sei. Standards könnten unter anderem dazu beitragen, Innovation zu fördern, so die Teilnehmenden.

Die European Clean Hydrogen Alliance hat fehlende Standards als eine der zentralen Barrieren/Herausforderungen benannt. Die gute Nachricht: Wir starten nicht bei null. Die Arbeit an Standards hat bereits vor 20 Jahren begonnen und das FCH JU hat verschiedene Aktivitäten unterstützt. Europa befindet sich in der Übergangsphase zu einem erneuerbaren Energiesystems. Dieser Übergang muss jetzt mittels einer zuverlässigen Anleitung inkl. Standards und Regulationen ermöglicht werden, so die Teilnehmenden des Panels.

Auch Niedersachsen war mit einer Keynote von Birgit Honé, Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, an der European Hydrogen Week beteiligt. Ihr Vortrag (7:38 bis 7:52), sowie auch die gesamte Veranstaltung ist noch online abrufbar.

 

Fazit: Vieles wurde bereits erreicht und man ist sich sicher, dass Europa für die zukünftigen Herausforderungen gut aufgestellt ist. Jetzt müsse man die vor uns liegenden Chancen nutzen und Herausforderungen wie z. B. die Skalierung der gesamten Wertschöpfungskette oder die Entwicklung von „fit-for-purpose“-Regulierungen meistern. Die Keynote-Sprecherinnen und -Sprecher, aber auch die Teilnehmenden der Panels der zweiten European Hydrogen Week waren sich einig, dass es sich um ambitionierte Ziele handelt und wir noch nicht auf Kurs seien, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Es müsse daher jetzt ein europäisches Rahmenwerk geschaffen werden, welches garantiere, dass Wasserstoff zur Dekarbonisierung und den Zielen/Plänen der Mitgliedsstaaten beiträgt. Mit den nötigen Rahmenbedingungen könne Europa seine Vorreiterrolle bei Wasserstoff-Anwendungen jedoch weiter ausbauen und den Aufbau einer klimafreundlichen Industrie forcieren.

European Hydrogen Week 2021

Niedersachsen ist Keimzelle für Wasserstofftechnologien in Europa

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NIEDERSACHSEN IST KEIMZELLE FÜR WASSERSTOFFTECHNOLOGIEN IN EUROPA

Niedersachsen spielt bei der Entwicklung der europäischen Wasserstoffwirtschaft eine zentrale Rolle. Rund 25 der aktuell über 750 Wasserstoffprojekte innerhalb der EU sind allein in Niedersachsen angesiedelt. Das ergibt die Liste aller derzeitigen Projekte, die von der Europäischen Kommission im Rahmen der Bekanntgebung des neuen Joint Undertaking Clean Hydrogen Partnership auf der European Hydrogen Week veröffentlicht wurde.

Mit Stolz verkündete Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, die Vorreiterrolle Europas bei sauberem Wasserstoff während ihrer Eröffnungsrede zur European Hydrogen Week in Brüssel. Diese Rolle, insbesondere im Bereich der Forschung, dürfe man jetzt nicht verspielen und müsse auch die Wasserstoffwirtschaft innerhalb der EU halten. „Sauberer Wasserstoff ist die Energie der kommenden Generation“, sagte von der Leyen.

Aus diesem Grund wurde die European Clean Hydrogen Alliance vergangenes Jahr ins Leben gerufen. Die rund 1.500 Mitglieder sind verschiedene Akteure aus Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Verbänden u.a., die sich in sechs Arbeitsgruppen regelmäßig austauschen und halbjährlich zum europäischen Wasserstoffforum zusammenkommen. In Zusammenarbeit mit dem neuen JU Clean Hydrogen Partnership, ausgestattet mit einer Fördersumme von 1 Mrd. Euro für den Zeitraum 2021-2027, soll die Massenproduktion von sauberem Wasserstoff in der EU aufgebaut werden.

Für einen schnellen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, insbesondere in den Bereichen Erzeugung und Infrastruktur, also Verteilung und Speicherung, kooperiert die Europäische Kommission mit der European Clean Hydrogen Alliance. So werde sauberer Wasserstoff auch absehbar ökonomisch für die Unternehmen, sagte von der Leyen und sprach von dem Ziel die Kosten für sauberen Wasserstoff auf unter 1,80€ pro Kilo bis 2030 reduzieren zu wollen.

Dass so viele Wasserstoffprojekte in Niedersachsen angesiedelt sind, ist kein Zufall. Das Flächenland bietet neben Raum für den Ausbau erneuerbarer Energien an Land, auch als Küstenregion mit Tiefwasserhafen ideale Voraussetzungen. Zum einen für die Anlandung von erneuerbarem Strom aus der Nordsee, wo sich in den kommenden Jahren ein enormes Ausbaupotential bietet, und zum anderen als Importhafen für sauberen Wasserstoff.

Grüner Stahl aus Niedersachsen: Demonstrationsprojekt einer Direktreduktionsanlage

Grüner Stahl aus Niedersachsen: Demonstrationsprojekt einer Direktreduktionsanlage

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LINGEN PRODUZIERT AB 2022 GRÜNEN STAHL

Auf dem Weg der Defossilisierung der Stahlindustrie spielt Wasserstoff eine entscheidende Rolle. Doch wie gelingt es, mit dem Energieträger der Zukunft klimaneutralen Stahl kostengünstig zu produzieren? Das erforschen die Unternehmen RWE, CO2GRAB, LSF und BENTELER Steel/Tube in den nächsten drei Jahren gemeinsam.

Donnerstag, den 18. November 2021 gab Olaf Lies, niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, die Förderzusage des Landes über drei Millionen Euro an das Start-up CO2GRAB bekannt. 2022 soll das wegweisende Demonstrationsprojekt einer grünen Wasserstoff-Direktreduktionsanlage auf dem RWE-Kraftwerksgelände in Lingen gebaut werden.

„Das, wofür man vor einigen Jahren vermutlich noch belächelt worden wäre, wird Wirklichkeit: die Defossilisierung der Stahlindustrie in Deutschland. Sie ist zentral, damit die Energiewende in Deutschland gelingt. Und von ihr geht noch eine weitere Botschaft an die Welt. Mit Know-How, Willen und Überzeugung bringen wir die einst als unvereinbar geltenden Ziele zusammen: Klimaschutz und Energiewende mit der notwendigen Zukunftsfähigkeit für unseren Industriestandort und den damit verbundenen guten Arbeitsplätzen. Ich freue mich deshalb sehr, das Projekt dabei zu unterstützen, einen Teil zur Lösung dieser Mammutaufgabe beizutragen“, erklärte Olaf Lies.

BENTELER-SteelTube_Produktion

©BENTELER

Christoph Sonntag, Projektleiter und Geschäftsführer bei CO2GRAB erklärte: „Wir sind sehr stolz dieses wegweisende Projekt mit weltweiter Strahlkraft jetzt umzusetzen. Hoffentlich inspirieren wir damit auch andere, die großen Aufgaben der Energiewende schnellstmöglich anzugehen.“

Der Oberbürgermeister der Stadt Lingen, Dieter Krone, betont: „Diese Kooperation ist ein klares Bekenntnis aller Beteiligten zu Innovation und Klimaschutz. Lingen wird einmal mehr zum Forschungs- und Entwicklungszentrum und zu einem der wichtigsten Wasserstoffstandorte in Deutschland. 

Grüner Stahl aus grünem Eisen – dank Wasserstoff

Bei der Direktreduktion wird Eisenerz mithilfe von Wasserstoff reduziert. Der Wasserstoff reagiert dabei mit dem Sauerstoff im Eisenerz (Eisenoxid) und wandelt es in sogenannten Eisenschwamm um. Dieser Prozess wird „direct reduced iron“ (DRI) genannt. Statt Kohlenstoffdioxid, wie im klassischen Hochofen, entsteht bei dieser Technologie Wasserdampf. Der Eisenschwamm wird anschließend mit Stahlschrott eingeschmolzen und zu Stahl weiterverarbeitet. BENTELER Steel/Tube verwendet zukünftig diesen Stahl, um daraus CO2-arme nahtlose und geschweißte Rohrlösungen zu produzieren. Im Rahmen des Forschungsprojekts sollen im ersten Schritt über eine Tonne pro Stunde grünes Eisen mit Hilfe von Wasserstoff produziert werden. Dieser grüne Wasserstoff soll über Elektrolyseanlagen von LSF auf dem Kraftwerksgelände erzeugt und in die DRI-Anlage eingespeist werden.

Partner entlang der Wertschöpfungskette

„Diese DRI-Technologie hat großes Potenzial zur Dekarbonisierung der Stahlindustrie. Das technische Know-how vom Start-up CO2GRAB, das diese Anlage errichten und betreiben wird, ergänzt die Expertise von RWE entlang der gesamten Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff. LSF wird die Betriebsweise der Elektrolyse an die fluktuierende Produktion von Wind- und Solarstrom optimieren. BENTELER Steel/Tube wird den reduzierten Eisenschwamm anschließend weiter zu grünem Stahl und klimaneutralen Qualitätsrohren verarbeiten. Mit diesem Projekt können wir somit einen bedeutenden Beitrag zur Klimaneutralität leisten“, erklären die Partner in einer gemeinsamen Stellungnahme

Partner

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LSF ENERGY
©Benteler International

Das Start-Up wurde mit dem Ziel gegründet, effiziente Technologien zur Vermeidung von neuen CO2-Emissionen zu entwickeln und zu vermarkten. Als grundlegender Maßstab wird dabei eine zeitnahe und weltweite Skalierbarkeit durch wirtschaftliche Umsetzbarkeit angelegt.

Logo © CO2GRAB

Mit seinen Gaskraftwerken steht RWE mit seinen rund 3.000 Beschäftigten auf Platz 3 in Europa. In der RWE Generation bündelt der Konzern seine Wasserstoffaktivitäten. RWE treibt mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft über 30 Wasserstoff-Projekte voran.

Logo © RWE

 

LSF plant, errichtet und betreibt Anlagen von Erneuerbare Energien, insbesondere Windenergieanlagen. Dabei legt das Unternehmen einen besonderen Schwerpunkt auf Bürgerbeteiligungsmodelle und akzeptanzschaffende Maßnahmen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Logo © LSF & Partner

 

BENTELER Steel/Tube entwickelt und produziert Stahl sowie nahtlose und geschweißte Qualitätsstahlrohre. Das Unternehmen bietet weltweit Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Werkstoffentwicklung bis zur Rohranwendung.

Logo © Benteler

SüdOstNiedersachsen als „HyExpert” Region ausgezeichnet

SüdOstNiedersachsen als „HyExpert” Region ausgezeichnet

Pressemitteilung

SüdOstNiedersachsen als „HyExpert“ Region ausgezeichnet

Die Region SüdOstNiedersachsen ist vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) in die Kategorie „HyExpert“ der Wasserstoffregionen in Deutschland aufgenommen worden. Damit wurde ein Antrag vom Projektbüro SüdOstNiedersachsen und dem Landkreis Helmstedt (als federführende Gebietskörperschaft) erfolgreich beschieden. In der Kategorie HyExperts wird eine Förderung von bis zu 400.000 Euro für die Gewinnerregionen bereitgestellt.

Im Rahmen der HyExpert-Förderung soll in der Region SüdOstNiedersachsen ein ganzheitliches Konzept zur Erzeugung und Nutzung von grünem Wasserstoff erarbeitet werden. Die Region steht vor den großen Herausforderungen eines übergreifenden Strukturwandels, der sich durch den Kohleausstieg, die Mobilitätswende sowie die Transformation der Stahlproduktion ausweist.

Gerhard Radeck, Landrat des Landkreises Helmstedt, hierzu: „Unsere Region hat besondere Stärken in den Bereichen Mobilität, Forschung und Produktion. Durch den Einsatz von Wasserstofftechnologien sollen diese klimafreundlicher werden.“ Mit einem integrativen Ansatz soll eine Modellregion entstehen, die sich durch den Ausstieg aus der Verstromung fossiler Energieträger, die Nutzung alternativer Antriebe in der Mobilität sowie eine CO2 neutrale energieintensive Produktion ausweist. Herausragendes Ziel ist dabei die Entwicklung von wirtschaftlich tragfähigen Wasserstoff-Wertschöpfungsketten.

Den eingereichten Projektantrag unterstützten insgesamt 58 Unterstützungsschreiben aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik,  mit darunter auch die Städte Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter, sowie die Landkreise Goslar, Gifhorn, Peine und Wolfenbüttel.

Mehr zu dem Projekt

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©Wasserstoffregion SüdOstNiedersachsen