Interview: Ohne Fachkräfte keine Energiewende

Interview: Ohne Fachkräfte keine Energiewende

Im Gespräch mit Dr. Ruggero Capperucci

Lis Blume (NWN) und Dr. Ruggero Capperucci (Universität Oldenburg) beim Interview in Oldenburg. ©NWN

Ohne Fachkräfte schaffen wir keine Energiewende

Für den erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bedarf es einer umfassenden Aus- und Weiterbildung in vielen Sektoren. Denn mit der Umstellung auf Wasserstoff-Technologien gehen zahlreiche Veränderungen in Produktionsprozessen, in der Energie- oder auch der Fahrzeugnutzung einher. Das NWN fasst daher ab sofort aktuelle Qualifizierungsangebote zusammen und gibt einen Überblick über die wichtigsten Angebote in Niedersachsen.

Lis Blume, verantwortlich für die Kommunikation des NWN, hat sich deshalb mit Dr. Ruggero Capperucci unterhalten, Ansprechpartner für die Fortbildung „Wasserstoff für Fach- und Führungskräfte“ der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Leibniz Universität Hannover und Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES.

 „Bis 2030 brauchen wir 70.000 Wasserstoffspezialisten in Deutschland.“

 

 

Herr Capperucci, sind unsere Fachkräfte auf die Energiewende gut vorbereitet?

RC: Liebe Frau Blume, ich muss Ihnen leider eine klare Antwort geben: Nein. In Deutschland herrscht derzeit ein gravierender Mangel an Wasserstoffspezialisten. Eine Schätzung des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes (DWV) geht davon aus, dass bis zum Jahr 2030 70.000 neue Fachkräfte für den Wasserstoffkreislauf ausgebildet werden müssen – und das, bevor die letzten internationalen Ereignisse der Energieunabhängigkeit und der grünen Wende auf nationaler und EU-Ebene einen entscheidenden Impuls verliehen haben.

 

Wasserstoff als wichtiger Baustein in der Energieversorgung war in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder ein Thema, angefangen in den Achtzigern. Das Thema an sich ist nicht neu – warum fehlt trotzdem die Expertise beim Umgang mit dem Gas?

RC: Grüner Wasserstoff wird in den nächsten zehn Jahren in verschiedenen Sektoren sein Marktpotenzial entfalten. Die Technologie zur Nutzung von Wasserstoff für Energiezwecke ist seit Jahrzehnten gut bekannt. Dennoch erfordert ihre großflächige Anwendung ein Umdenken und eine Anpassung des gesamten Wirtschafts- und Industriesystems auf verschiedenen Ebenen. Die Energiewende mit Wasserstoff als zentraler „Brücke“ für die Kopplung verschiedener Sektoren bringt eine Vielzahl von technologischen, aber auch juristischen, ökonomischen, betrieblichen Herausforderungen mit sich. Nicht zuletzt sind auch Politik und Verwaltung gefordert, den Umbau in die Wege zu leiten und zu diesem zu begleiten.

 

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„Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft werden kompetente Fach- und  Führungskräfte in allen Bereichen entlang der Wertschöpfungsketten, sowie in Politik     und Verwaltung benötigt.“

 

 

Wir sprechen immer über die Facharbeiter und Verantwortliche in den Unternehmen. Sie bringen jetzt auch noch die Verwaltung ins Spiel – welche Rolle spielt sie beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft?

RC: Es gibt zurzeit einen starken politischen Willen für den Umbau der Industrie und zahlreiche Investitionen in Modellprojekte. Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft werden kompetente Fach- und Führungskräfte in allen Bereichen entlang der Wertschöpfungsketten, sowie in Politik und Verwaltung benötigt. Hinzu kommt, dass Projekte der Wasserstoffwirtschaft komplex, interdisziplinär und innovativ sind. Ein dezidiertes Weiterbildungsprogramm kann die Lernkurve verkürzen und die Kosten von Fehlern reduzieren.

Können Sie das konkretisieren?

RC: Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen: Für den Einsatz von Wasserstofffahrzeugen in der Fahrzeugflotte muss auch eine eigene Logistik bereitgestellt werden die Entscheidung für ein System legt ein Unternehmen auf Jahre hin fest und zieht zahlreiche Folgeentscheidungen nach sich. Mitarbeiter von Banken oder Versicherungen müssen in der Lage sein, die technischen Dimensionen eines Wasserstoffprojektes einzuschätzen, um dessen Machbarkeit und Finanzierbarkeit zu beurteilen. Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen müssen Anträge für neue wasserstoffbezogene Anlagen und Einrichtungen prüfen und die  Wirtschaftsförderungen müssen erkennen, welche Chancen und auch Herausforderungen die Wasserstoffwirtschaft für ihre Region bietet. All diese Personen benötigen eine kontinuierliche, umfassende und aktuelle Fort- und Weiterbildung.

Olaf Lies, Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz in Niedersachsen (Mitte), setzt sich für den schnellen Aufbau der Wasserstoffwirtschaft ein. Dafür hat er u.a. eine Förderrichtlinie auf den Weg gebracht, mit der Firmen wie aha in Hannover unterstützt werden bei der Umstellung auf nachhaltige Energien.  ©NWN

Welche Qualifikationen brauchen Fachkräfte im Umgang mit erneuerbaren Energien, aber vor allem mit Wasserstoff?

RC: Dies hängt von der Branche ab, in der sie tätig sind: Doch allgemein gilt, zusätzlich zu der schon vorhandenen Qualifikation benötigt jede Fachkraft, die sich mit erneuerbaren Energien und vor allem mit Wasserstoff befassen will das nötige Fachwissen. Darüber hinaus sollte sie in der Lage sein, Projekte der erneuerbaren Energien und auch der  Wasserstoffwirtschaft aus verschiedenen Perspektiven in den Blick zu nehmen, diese möglichst zu verstehen und mit verschiedenen Akteuren/Gewerken dieser Bereiche zu kommunizieren. 

 

Welche Fachkräfte nehmen denn beispielsweise an der Weiterbildung der Universität Oldenburg teil?

RC: Unter unseren TeilnehmerInnen befinden sich Fachleute mit den unterschiedlichsten Hintergründen: IngenieurInnen, die sich spezifisches Know-how über Wasserstofftechnologien aneignen wollen, BankmitarbeiterInnen, die sich mit spezifischen wirtschaftlichen Fragen zu Zeitplänen und Preistreibern für Wasserstoff befassen wollen, und so weiter. Wichtig ist jedoch, dass diese Fachleute aufgefordert werden, gemeinsam ein virtuelles Wasserstoffprojekt zu entwickeln, das all diese Aspekte umfasst, so dass jeder nicht nur seine eigene Disziplin einbringen kann, sondern auch lernt, mit den Augen des anderen zu sehen und sich ein vollständiges Bild des gesamten Projektprozesses zu machen.

 

Die Weiterbildung wird in einer Kombination aus Präsenz- und Onlineterminen, sowie Exkursionen angeboten. ©AdobeStock

„Führungskräfte müssen das  „Ökosystem“ der Wasserstoffwirtschaft verstehen.“

 

Jetzt haben wir über Fachkräfte gesprochen. In welchen Bereichen müssen sich Führungskräfte fortbilden, um am Ball zu bleiben?

RC: Führungskräfte müssen entscheiden, ob und wie die Wasserstoffwirtschaft für ihr Unternehmen oder ihren Bereich von Bedeutung sind und ggf. ein Geschäftsfeld aufbauen. Durch den dezentralen Charakter der erneuerbaren Energien bieten sich für viele Unternehmen Möglichkeiten, deren Führungskräfte das „Ökosystem“ der Wasserstoffwirtschaft verstehen müssen. Hierfür braucht es neben einem grundlegenden technischen Verständnis auch das Wissen um die Komponenten, die Dimensionen, die Akteure und die politischen Dimensionen von Wasserstoffprojekten, wie auch der Wasserstoffwirtschaft. Außerdem müssen sie mögliche Geschäftsmodelle einschätzen können und wissen, welche Kompetenzen und Personen sie für ein Wasserstoffprojekt benötigen.

Ihre Einschätzung: Werden wir ganz neue Ausbildungsberufe sehen, oder muss das Thema Wasserstoff in bestehende Ausbildungen integriert werden?

RC: Kurzfristig muss der dringende Bedarf an Fachkräften mit eigenen neuen Kursen und Programmen, wie dem unseren, gedeckt werden. Wir zielen darauf ab, in sechs Monaten mit einer hochwertigen akademischen Weiterbildung, die einen starker Praxisorientierung hat, das nötige Fach- und Überblickswissen wie auch die verschieden Perspektiven und eine eigenständige Orientierungsfähigkeit in der Wasserstoffwirtschaft zu vermitteln. Mittelfristig wird das Thema Wasserstoff m.E. mehr und mehr in den normalen Ausbildungskanon eingehen. Doch auch in dieser Phase sehe ich für unser Programm der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften der Wasserstoffwirtschaft gut Perspektiven.

Wasserstoff für Fach- und Führungskräfte

Das Weiterbildungsprogramm der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Leibniz Universität Hannover und dem Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES baut auf bestehenden berufsqualifizierenden Abschlüssen und Erfahrungen der Teilnehmenden auf und versetzt sie in die Lage, Wasserstoffprojekte beurteilen, initiieren und steuern zu können. Bei der Weiterbildung wird ein Wasserstoffvorhaben realitätsnah geplant und kalkuliert.

Qualifizierungsangebote im Wasserstoffsektor

Für den erfolgreichen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bedarf es einer umfassenden Aus- und Weiterbildung in vielen Sektoren. Das NWN fasst hier die aktuellen Angebote zusammen und gibt einen Überblick der relevanten Qualifizierungen in Niedersachsen.

 

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Niedersachsen stellt Weichen für Finanzierung von Wasserstoff-Großprojekten

Niedersachsen stellt Weichen für Finanzierung von Wasserstoff-Großprojekten

Pressemitteilung

Niedersachsen stellt Weichen für die Finanzierung von Wasserstoff-Großprojekten 

Das Kabinett hat am Dienstag, den 30. August 2022, die Finanzierung für Erzeugung und Import von Wasserstoff auf den Weg gebracht und damit die Weichen für die künftige Energieversorgung gestellt. Im Zuge des europäischen IPCEI-Programms für Wasserstofftechnologien und -systeme soll in Niedersachsen eine nachhaltige grüne Wasserstoffwirtschaft aufgebaut werden.

Die Bundesregierung fördert mit einer Ko-Finanzierung der Bundesländer große, grenzüberschreitende Vorhaben im Bereich Wasserstofftechnologien und -systeme unter anderem über IPCEI „Important Projects of Common European Interest“ („Wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse“) und nach der Beihilfeleitlinie für Klima, Umwelt und Energie (KUEBLL).

Anfang 2021 konnten Unternehmen in einem Interessenbekundungsverfahren Projektskizzen für Investitionsvorhaben einreichen. Mittlerweile wurden auf EU-Ebene über 400 Projekte aus 18 Staaten registriert und werden von der EU-Kommission in verschiedenen „Wellen“ notifiziert, das heißt beihilferechtlich geprüft und genehmigt.

Am 28. Mai 2021 wurden vom Bund in Absprache mit den Ländern 62 deutsche Großvorhaben ausgewählt. Die Vorhaben sollen mit über acht Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln gefördert werden.

Niedersachsen profitiert weit überdurchschnittlich von dem Förderprogramm. Die Lage an der Küste mit den Seehäfen, ein gut ausgebautes Gasnetz, große Kavernenspeicher und die enormen Potenziale an erneuerbaren Energien prädestinieren Niedersachsen als Erzeugungszentrum, Import-Hub und Drehscheibe der deutschen und europäischen Wasserstoffwirtschaft.

Sofern auf den heutigen Kabinettsbeschluss ein entsprechender Landtagsbeschluss im September-Plenum folgt, würden über 2,3 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln für niedersächsische Investitionen in Wasserstoffprojekte mobilisiert: Der Bund bietet über 1,6 Milliarden Euro an, wenn sich das Land mit weiteren rund 700 Millionen Euro beteiligt.

Zur Finanzierung sieht der heute durch das Kabinett auf den Weg gebrachte Gesetzesentwurf eine weitere Aufstockung des Wirtschaftsförderfonds vor. Bereits am 29. Juni 2022 hatte der niedersächsische Landtag beschlossen, dem Wirtschaftsförderfonds 459,5 Millionen Euro, die aufgrund des günstigen Verlaufs des Haushaltsjahres 2021 zur Verfügung standen, für diesen Zweck zuzuführen. Nun sollen dem Wirtschaftsförderfonds in den Jahren 2024 bis 2026 weitere Mittel in Höhe von insgesamt 240 Millionen Euro für Wasserstoffprojekte zufließen. Der heute beschlossene Gesetzentwurf soll – wenn möglich – noch im September-Plenum verabschiedet werden.

„Mit einem Landesanteil von 700 Millionen Euro schaffen wir die Voraussetzungen zur Kofinanzierung von zwölf großen, grenzüberschreitenden Vorhaben im Bereich Wasserstofftechnologien und -systeme. Insgesamt geht es um Investitionen in Milliardenhöhe, einschließlich Bundesmitteln in Höhe von über 1,6 Milliarden Euro für niedersächsische Industrieunternehmen“, sagt Ministerpräsident Stephan Weil. „Grüner Wasserstoff wird eine wesentliche Säule unserer zukünftigen Energieversorgung sein. Niedersachsen ist in dieser Hinsicht führend. Das ist auch ein Beitrag dazu, Energieland Nr.1 zu werden.“

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sagt: „Zusätzlich zur Sicherung vorhandener Arbeitsplätze durch die Dekarbonisierung der CO2-intensiven Industrien von heute stellen diese Projekte eine sehr große Chance für die industrielle Weiterentwicklung Niedersachsens dar. Erneuerbare, günstige und sicher verfügbare Energie ist ein entscheidender Standortvorteil für neue Industrieansiedlungen in Niedersachsen.“

„Mit einer starken Wasserstoffwirtschaft tragen wir Niedersachsen unseren Teil zur Energiesicherheit und für die Unabhängigkeit Deutschlands bei. Sie ist ein wichtiger Teil des Fundaments für das Gelingen unserer klimapolitischen Ziele. Dabei muss die Erzeugung von grünem Wasserstoff, Transport, Speicherung und schließlich die großtechnische Anwendung räumlich und infrastrukturell zusammengedacht und -geführt werden. Nur so kann es gelingen, den Aufbau von Elektrolysekapazität im industriellen Maßstab zu realisieren und die Kosten für die Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff zu senken“, sagt Energieminister Olaf Lies.

„Bereits mit der Mittelfristigen Planung 2022 bis 2026 haben wir insgesamt 750 Millionen Euro für eine ‚Investitionsoffensive Niedersachsen‘ vorgesehen, woraus jetzt die Gegenfinanzierung der Förderung der Wasserstofftechnologie erfolgt. Das ist gut angelegtes Geld, zumal wir damit ein Gesamtvolumen von über drei Milliarden Euro mobilisieren. Ein erneuter Beleg, dass mit einer vorausschauenden Finanzpolitik die schwarze Null und dreistellige Millionenbeträge für Zukunftstechnologien kein Widerspruch sind“, sagt Finanzminister Reinhold Hilbers.

 

Quelle: Niedersächsische Staatskanzlei

Hintergrund zum IPCEI Wasserstoff

Die Abkürzung „IPCEI“ steht für „Important Projects of Common European Interest (IPCEI)“ (deutsch: „Wichtige Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse“). Mit einem IPCEI-Programm für Wasserstofftechnologien und -systeme soll der Aufbau einer nachhaltigen grünen Wasserstoffwirtschaft durch eine Investitionsförderung für wertschöpfungskettenübergreifende Wasserstoffprojekte im industriellen Maßstab angeschoben werden – national wie europaweit.

Anfang 2021 konnten Unternehmen in einem Interessenbekundungsverfahren Projektskizzen für Investitionsvorhaben einreichen. Mittlerweile wurden auf EU-Ebene über 400 Projekte aus 18 Staaten registriert und werden von der EU-Kommission notifiziert, das heißt beihilferechtlich geprüft und genehmigt. Am 28. Mai 2021 wurden vom Bund in Absprache mit den Ländern 62 deutsche Großvorhaben ausgewählt. Die Vorhaben sollen mit über acht Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln gefördert werden.

Niedersachsen profitiert weit überdurchschnittlich hiervon – mit dem heutigen Kabinettsbeschluss können – ein entsprechender Landtagsbeschluss im Septemberplenum vorausgesetzt –  über 2,3 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln für Investitionen in Niedersachsen mobilisiert werden: Der Bund bietet rund 1,6 Milliarden Euro an, wenn sich das Land mit weiteren 700 Millionen Euro beteiligt.

Damit würden privatwirtschaftliche Investitionen der Industrie und Energiewirtschaft in Höhe von mehreren Milliarden Euro am Standort Niedersachsen ermöglicht.

Was soll damit erreicht werden?

  1. Aufbau von rund 850 MW Elektrolyseleitung in Niedersachsen in den nächsten 5 Jahren gefördert werden – d.h. rund 40% der bundesweit über dieses Förderprogramm finanzierten Elektrolyseleistung soll in Niedersachsen errichtet werden!
  2. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet mit den aktuellen Projekt mit insgesamt über 2 GW bundesweit. Zum Vergleich: Das Ziel in der Nationalen Wasserstoffstrategie beläuft sich auf 10 GW Elektrolyseleistung bundesweit bis 2030.
  3. Darüber hinaus: Schaffung von mehr als 500 km Wasserstofftransport-infrastruktur in Niedersachsen, größtenteils durch Umwidmung bestehender Erdgasleitungen aber auch durch Neubau von Wasserstoffpipelines sowie die Umrüstung von Kavernen für die Erdgasspeicherung zu
  4. Einstieg in die Transformation der Industrie hin zur Klimaneutralität durch Einsatz von grünem Wasserstoff, z.B. in der Stahlerzeugung und in Raffinerieprozessen
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Wasserstoffspeicher in Krummhörn

Wasserstoffspeicher in Krummhörn

PROJEKTE

   

©Uniper

Im Namen von Uniper Energy Storage nahmen Frank Holschumacher (Prokurist/Vice President Operational Performance Storages) (Mitte) und Johann Westerbuhr (Leiter Asset Group North) (rechts) den Förderbescheid von Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (links) entgegen. ©Uniper / Andreas Burmann

WASSERSTOFFSPEICHER IN KRUMMHÖRN

Die Speicherung von Wasserstoff ist enorm wichtig für eine konstante Energieversorgung mit erneuerbaren Energien. Hierzu untersucht Uniper die Konstruktion und den Betrieb einer neuen Salzkaverne zur unterirdischen Speicherung von Wasserstoff in Krummhörn. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat am Freitag, den 22. Juli 2022 einen Förderbescheid in Höhe von 2,375 Millionen Euro für das von Uniper geplante Wasserstoff-Pilotprojekt am Standort des Erdgasspeichers Krummhörn übergeben.

Anders als Strom kann Wasserstoff langfristig gespeichert, und später als Gas weitergenutzt, oder wieder in Strom zurückgewandelt werden. So können wir künftig Angebots- und Nachfrageschwankungen ausgleichen. Doch die bestehenden Speicher sind auf Erdgas bzw. Öl ausgelegt und müssen für die Verwendung von Wasserstoff umgerüstet werden.

Uniper setzt bei diesem Projekt auf die Erschließung neuer Speicher und untersucht, wie diese aufgebaut und betrieben werden können. Der Speicher in Krummhörn wird einer der ersten seiner Art sein und soll bis 2024 in Betrieb gehen. Uniper wird in das grüne Zukunftsprojekt mit einem Speichervolumen von bis zu 250.000 Kubikmeter Wasserstoff rund 10 Millionen Euro investieren.

Olaf Lies, Niedersächsischer Umwelt- und Energieminister

„Klimakrise und Krieg gegen die Ukraine zwingen uns, die Energiewende mit Höchstgeschwindigkeit voranzutreiben. Längst ist dabei klar, dass die Energiewende nicht allein mit Elektronen gelingen kann. Wasserstoff wird zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende sein. Diesen brauchen wir, damit wir unabhängig von fossilen Energieträgern werden und unsere Energiewirtschaft sowie Industrie dekarbonisieren können. Vorteil des Wasserstoffs ist, dass er gespeichert werden kann. Damit er diesen Vorteil auch entfaltet, brauchen wir Speicher bis hin zu Kavernenspeichern. Es freut mich, dass Uniper hier in Niedersachsen auf Kavernenspeicher für Wasserstoff setzen will. Den Weg dahin unterstützen wir gerne. Es ist in unser aller Interesse, dass wir ihn zügig gehen.“

 

Doug Waters, Managing Director von Uniper Energy Storage

„Wir freuen uns über die Förderzusage des Landes Niedersachsen. Wir sammeln mit dem Pilotprojekt die Erfahrungswerte, die wir in einer Welt ohne fossile Energieträger dringend benötigen: nämlich, wie wir die Speicherfähigkeit von grünem Strom in einer CO2-freien Zukunft realisieren können.“

Umbau und Probebetrieb

Uniper Energy Storage wird die Konstruktion und den Betrieb einer neuen, speziell für die Speicherung von Wasserstoff errichteten Salzkaverne im Großmaßstab erproben – und zwar an dem seit 2017 nicht mehr kommerziell genutzten Erdgasspeicher im norddeutschen Krummhörn. Dazu wird eine neue Pilot-Kaverne unter Verwendung einer bestehenden Bohrung sol-technisch erstellt. Während des Probebetriebs sollen Equipment und Werkstoffe auf Wasserstoff-Verträglichkeit untersucht sowie Erfahrungen bei der Speicherung von ausschließlich grünem Wasserstoff in einer Salzkaverne und dessen Anlieferung und Weiternutzung gesammelt werden.

Geographische Vorteile

In Ergänzung zu dem nahegelegenen Uniper Standort Wilhelmshaven mit dem Projekt „Green Wilhelmshaven“ bietet Krummhörn aufgrund seiner geographischen Lage nahe der windreichen Nordsee und der seit Jahrzehnten bestehenden energietechnischen Anbindung an das Gas- und Stromnetz ideale Voraussetzungen als Energie-Standort und stärkt damit die Bedeutung der Region und Niedersachsens als Energiedrehscheibe in Mitteleuropa.

In direkter Nachbarschaft findet sich auf dem Betriebsgelände idealerweise das ebenfalls durch das Land Niedersachsen geförderte Wasserstoff-Pilotprojekt „KRUH2“ der Open Grid Europe GmbH (OGE). Hier geht es darum, wie grüner Wasserstoff per Elektrolyseur vor Ort erzeugt und in kleinen Mengen gespeichert werden kann, um den Eigenbedarf einer Betriebsstelle an Wärme, Mobilität und Strom zu decken.

©Uniper

In Krummhörn untersucht Uniper die Konstruktion und den Betrieb eines unterirdischen Wasserstoffspeichers. ©Uniper

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Über Uniper

Uniper ist ein internationales Energieunternehmen mit rund 11.500 Mitarbeitenden in mehr als 40 Ländern. Das Unternehmen plant, in der europäischen Stromerzeugung bis 2035 CO2-neutral zu werden. Mit rund 33 Gigawatt installierter Kapazität gehört Uniper zu den größten Stromerzeugern weltweit.

Über Uniper Energy Storage

Innerhalb des Uniper Konzerns werden alle Kompetenzen zur Untergrund-Gasspeicherung europaweit in der Uniper Energy Storage gebündelt. Uniper Energy Storage betreibt Erdgasspeicher in Deutschland, Österreich und Großbritannien mit einer Arbeitsgaskapazität von über 7,5 Milliarden Kubikmeter und leistet so einen entscheidenden Beitrag zur Versorgungssicherheit.

Steyerberg will zentraler Energieproduzent werden

Steyerberg will zentraler Energieproduzent werden

Projekte

Steyerberg will zentraler Standort für erneuerbare Energien werden

Mit nur rund 5000 Einwohnern will Flecken Steyerberg im Kreis Nienburg zentraler Energiestandort in Niedersachsen werden. Auf einem ehemaligen Militärgelände soll im Projekt „H2art of Lower Saxony“ mit dem Ökostrom aus 12 Windrädern grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab hergestellt werden.  

Auf seiner Sommerreise besuchte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil am Dienstag, den 05. Juli Steyerberg im Kreis Nienburg. Dort soll auf dem 1.100 Hektar großen, ehemaligen NATO-Waldgelände ein Windpark der Firma WestWind Energy mit 12 Windrädern entstehen, die jährlich bis zu 180 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen können. Der Strom soll die Grundlast für einen Elektrolyseur sichern, könne aber auch ins Netz eingespeist werden, so die Organisatoren. Zusätzlicher Strombedarf kann durch die direkte Anbindung an die 380 kV Nord-Süd-Stromtrasse gesichert werden, die den Offshore-Strom in den Süden transportiert.

„Wir haben hier den idealen Dreiklang aus Windenergie, Biogasanlage und die Anbindung an die Nord-Süd-Stromautobahn. Dazu kommt die günstige Nähe zum künftigen Wasserstoffstartnetz, wie es im Netzentwicklungsplan Gas geplant wird“, erklärt Christian Alvermann von der kommunalen Wirtschaftsförderung“.

Der Wasserstoff soll lokal eingesetzt werden. Die ortsansässige Chemieanlage Oxxynova plant synthetische Kraftstoffe zu produzieren und bisher nicht verwertbare Kunststoffabfälle zu recyclen. Darüber hinaus können Wasserstofftankstellen in den Landkreisen Nienburg, Diepholz und Schaumburg beliefert werden, sowie eine geplante Wasserstofftankstelle für Binnenschiffe an der Weser. Auf dem Gelände selbst soll auch ein Wasserstoffspeicher eingerichtet werden.  Den Wasserbedarf hierzu stellen vier ansässige Wasserwerke zur Verfügung.

Der Bau soll 2024 realisiert werden. In Stufen soll die Kapazität dann auf 1GW Wasserstoff erhöht werden.

Für den Bau der Windräder müssen rund 4 Hektar Wald gerodet werden, die wieder neu aufgeforstet werden. Für die Konstruktion sollen bereits bebaute Flächen weitergenutzt werden, aber auch leerstehende Flächen, auf denen Pinien bereits durch Trockenheit abgestorben sind.

 

©UVN

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil informiert sich vor Ort.  Bild: NWN

„fyuriant“-Truck von Clean Logistics

„fyuriant“-Truck von Clean Logistics

Pressemitteilung

Vom Diesel-LKW zum Zero-Emission-Truck – Clean Logistics SE setzt auf Brennstoffzellenantrieb

Die Clean Logistics SE hat am 23. Juni 2022 auf dem Flugplatz Stade ihren ersten wasserstoffbetriebenen Zero-Emission-Truck der Öffentlichkeit präsentiert.

Bereits im Sommer 2021 hat das Unternehmen mit pyuron den ersten konvertierten Bus mit Brennstoffzellen-Wasserstoff-Antrieb im ÖPNV in Europa an die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft übergeben. Dabei wurde der gewöhnliche Dieselantrieb des Busses gegen einen emissionsfreien Antrieb auf Wasserstoffbasis getauscht. Dies ist auch ab sofort bei schweren Sattelzugmaschinen von 40 Tonnen möglich.

 

Die Lkw verfügen über zukunftsweisende Technologie. Der erste fyuriant ist unter anderem mit zwei Wasserstoff-Brennstoffzellen mit 2×120 kW Leistung sowie Wasserstofftanks mit einem Volumen von 43 kg ausgestattet. Das ermöglicht eine ausreichend hohe Reichweite von über 400 km und kurze Betankungszeiten von unter 15 Minuten. Die mit Radnabenmotoren ausgestattete Hinterachse hat einen Drehmoment von maximal 17.000 Nm, die dem Truck in jeder Fahrsituation die entsprechende Kraft verleiht. Das selbstentwickelte intelligente Steuerungssystem von Clean Logistics ermöglicht eine effiziente Steuerung des Gesamtsystems in jeder Fahrsituation. So wird beispielsweise die zurückgewonnene Energie beim Bremsvorgang in einer Batterie zwischengespeichert und für den nächsten Beschleunigungsvorgang wieder bereitgestellt. Clean Logistics verzeichnet bereits heute eine sehr hohe Nachfrage nach ihren Trucks und Bussen. Das Unternehmen baut in Winsen (Luhe) seine Kapazitäten derzeit massiv aus. Mit der neuen Produktionshalle mit einer Nutzfläche von mehr als 10.000 Quadratmetern wird Clean Logistics in der Lage sein, die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge ab Ende 2023 jährlich auf bis zu 450 zu steigern.

 

Dirk Graszt, CEO von Clean Logistics: „Wir freuen uns sehr, heute unseren fyuriant präsentieren zu können. Der Truck ist ein wichtiger Meilenstein, um den Verkehrssektor in Deutschland und Europa zu dekarbonisieren. Mit unseren Trucks und Bussen treffen wir auf hohe Resonanz in der Branche. Denn wir sind in der Lage, schon heute dem Markt emissionsfreie Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Dank des Umbaus klassischer Dieselfahrzeuge zu emissionsfreien Wasserstofffahrzeugen geschieht dies auch noch sehr ressourcenschonend. So werden wir den Wandel der Mobilität in eine nachhaltige Zukunft zügig vorantreiben.“

Das Projekt wird im Rahmen der Umsetzung der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung (MKS) mit insgesamt rund 3,3 Mio. Euro durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert. Die Fördermaßnahme wird von der NOW GmbH koordiniert. „Wir danken an dieser Stelle dem BMDV für die Unterstützung – ohne die Förderung wäre die Prototypen-Entwicklung, die den Grundstein für unser weiteres Wachstum darstellt, nicht möglich gewesen“, betont Dirk Graszt.

 

Im Rahmen der fyuriant-Weltpremiere, mit seiner außergewöhnlichen optischen Gestaltung, präsentierte Clean Logistics zudem ihre neue Corporate Identity. Mit dieser visuellen Neuausrichtung gehen unter anderem ein neues Corporate Design, ein überarbeiteter Webauftritt sowie ein neues Unternehmenslogo einher. Clean Logistics unterstreicht damit ihre Positionierung als visionäres und nachhaltiges Unternehmen mit dem Anspruch, den Schwerlastverkehr in eine emissionsfreie Zukunft zu führen. „Durch die Schärfung des Purpose und der Vision von Clean Logistics wird die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens unterstrichen. Dies ist der nächste logische Schritt in der Entwicklung der gesamten Clean Logistics Gruppe“, so Tom George, COO von Clean Logistics.

 

Über Clean Logistics

Die börsennotierte Clean Logistics SE (ISIN DE000A1YDAZ7) ist Enabler und Technologieführer der Mobilitätswende von Nutzfahrzeugen. Als Produzent von Zero-Emission-Trucks und -Bussen führt das Unternehmen mit Sitz in Hamburg seine Kunden aus Transport, Logistik und Schwerlastverkehr in eine emissionsfreie Zukunft. Dies wird durch die eine vollständige Dekarbonisierung des Antriebs von Bestands- und Neufahrzeugen ermöglicht. Die mit brennstoffzellenelektrischen Antriebssystemen unter Nutzung von Wasserstoff als Energiespeicher ausgestatteten Fahrzeuge werden in eigenen Produktionsstätten gefertigt. Clean Logistics verfolgt dabei das Ziel, ihre Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltig zu gestalten. Durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Produktportfolios stärkt Clean Logistics SE nachhaltig die Marktfähigkeit ihrer innovativen, sicheren und langlebigen Lösungen.

 

Zur Clean Logistics SE gehören unter anderem die Tochterunternehmen E-Cap Mobility GmbH – die für die Industrie elektrifizierte Prototypen, Kleinserien und Konzepte entwickelt sowie auf batterie- und brennstoffzellenelektrische Konversionen aller Mobilitätslösungen spezialisiert ist – und darüber hinaus die Clean Logistics Technology GmbH.

 

Quelle: Clean Logistics SE

 

Niedersachsen und Norwegen kooperieren für internationale Wasserstoffwirtschaft

Niedersachsen und Norwegen kooperieren für internationale Wasserstoffwirtschaft

Pressemitteilung

Niedersachsen und Norwegen kooperieren für internationale Wasserstoffwirtschaft

Niedersachsen setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit Norwegen für den Import von Wasserstoff. Diese Zusammenarbeit wurde heute im Rahmen des 1. Deutsch-Norwegischen Wasserstoffforums in Hamburg mit einem Memorandum of Understanding (MoU) festgehalten. Beide Seiten wollen hierdurch die bisherige Zusammenarbeit noch weiter intensivieren.

Kooperationen und sektorübergreifende Zusammenarbeit sind Schlüssel zum schnellen Aufbau unseres zukünftigen, nachhaltigen Energiesystems. Das gilt auf nationaler, wie auf internationaler Ebene. Ein wichtiger Energieträger als Baustein bei der Transformation ist, neben erneuerbarem Strom, Wasserstoff. Nur mit Wasserstoff können wir wichtige Industrien mit enormem Energiebedarf dekarbonisieren und so unsere Klimaziele erreichen.

Großteile des benötigten Gases müssen zukünftig, wie auch heute, importiert werden. Dabei muss aus Fehlern der Vergangenheit gelernt werden und für eine nachhaltige Versorgungssicherheit frühzeitig auf Diversifikation sowie auf Seriosität bei den Importeuren gesetzt werden. Aus diesem Grund setzt Niedersachsen auf eine enge Zusammenarbeit mit Norwegen für den Import von Wasserstoff.

Diese Zusammenarbeit wurde heute im Rahmen des 1. Deutsch-Norwegischen Wasserstoffforums in Hamburg mit einem Memorandum of Understanding (MoU) festgehalten. Beide Seiten wollen hierdurch die bisherige Zusammenarbeit noch weiter intensivieren.

Dabei sollen die Partner jeweils von der Expertise und den Erfahrungen des anderen profitieren, die Wasserstoffakteure effektiv miteinander vernetzt und gemeinsame Projekte angebahnt werden.

Es unterzeichneten Manuel Kliese von Innovation Norway und Dr. Alexander Bedrunka, Projektleiter des Niedersächsischen Wasserstoff-Netzwerks (NWN). Seitens der Verbundpartner des NWN unterzeichnete Felix Fleckenstein für den Deutschen Gewerkschaftsbund und Benedikt Hüppe für die Unternehmerverbände Niedersachsen.

Bildquelle: Larissa Weiß

©ISFH SiKuWa Ausschnitt

Manuel Kliese von Innovation Norway und Dr. Alexander Bedrunka, Projektleiter des Niedersächsischen Wasserstoff-Netzwerks (NWN) bei der Unterzeichnung des MoU